Ungeschminkt #9 mit Maria Happel
Shownotes
Eine Produktion vom Theatermuseum Wien
Redaktion und Moderation: Hannes Hametner
Foto: Luise Reichert
Aufnahme: Karl Horky (HORKYevent.at)
Sounddesign, Schnitt & Mastering: Benjamin Ritter
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00:00:00: Ich hab immer davon geträumt, ein eigenes Ensemble zu haben.
00:00:06: Das habe ich kennengelernt bei George Tabori.
00:00:10: Da fand ich das immer so toll!
00:00:12: Der nannte es einen Kreis von Menschen.
00:00:16: Einer ist halt zufällig wie beim Monopoly die Bank und ist damit Spielleiter oder so.
00:00:23: Und kennt die Regeln.
00:00:25: Aber ich denke immer, das gehört zusammen also ... Tradition braucht man, um innovativ zu sein.
00:00:31: Und so ein Blick in die Vergangenheit ist ja nicht das Schlechteste, um damit aber weiterzugehen.
00:00:38: Zeigen Sie mir den Schauspieler oder die Schauspillerin, die auf die Bühne geht und schlecht sein will?
00:00:43: Das gibt es nicht!
00:00:45: Deshalb ist doch jeder irgendwie bestrebt eine Arbeit abzuliefern, die gut ist, die toll ist und arbeitet daran.
00:00:53: Also deshalb muss man niemanden zwingend brechen Im Wehtun.
00:00:59: Und niemanden von uns sind negative Dinge
00:01:02: erspart
00:01:03: im Leben, das passiert ja und die Hoffnung wie wir alle auch in uns tragen das ist auch da und es hält uns hier auch am leben gibt uns die Kraft.
00:01:14: Ich glaube, dass Max Reinhardt, als er gesagt hat man soll sich die Kindheit in die Tasche stecken das damit gemeint hat.
00:01:21: Weil Kinder machen das so und sagen ich wäre die Mutter du wirst es kind.
00:01:26: gut nein Du bist der Vater ich bin das Kind Und schon geht es.
00:01:29: wenn man sich das bewahrt und das beibehält ist man auf dem besten Weg ein guter Schauspieler zu sein oder eine gute Schauspillerin?
00:01:38: Ich glaube nicht dass es europaweit einen Festival gibt, dass es schafft im Sommer im Sprechtheater in einer Woche fünf Eigenproduktionen zu stemmen.
00:01:50: Das tun wir und das ist fantastisch!
00:01:52: Und das kann man ruhig auch mal so sagen.
00:01:56: Willkommen zu Ungeschminkt – das Theater-Museum Wien im Gespräch.
00:02:03: Ein Live-Podcast aus dem Eroikasaal im Palais Lobkowitz.
00:02:08: Das Theater Museum ist das Gedächtnis der flüchtigen Theaterkunst.
00:02:12: Wir halten den flüchtigen Augenblick im Gespräch fest.
00:02:17: Unser heutiger Gast ist die Burgschauspielerin, Regisseurin und künstlerische Leiterin der Festspiele Reichenau Maria Happel.
00:02:38: Einen schönen guten Morgen!
00:02:41: Liebe Frau Happel, wir freuen uns sehr, dass das geklappt hat.
00:02:44: Schön guten Morgen.
00:02:46: Liebes Publikum.
00:02:47: ein Danke für die schöne Anmoderation Herr Dr.
00:02:51: Pichorna, wir haben heute einen besonderen Gast und einen besonderem Tag denn heute ist Muttertag von dieser Seite.
00:03:02: also es ist bekannt Frau Hapel dass sie zwei Töchter haben mutter sind worüber wir gerne sprechen wollen.
00:03:12: also erst mal alles Gute zur Muttertag und auch allen hier anwesenden Müttern auch.
00:03:23: man muss ja vielleicht dazu sagen, dass es nicht unbedingt gewöhnlich ist.
00:03:31: Dass so erfolgreiche Schauspielerinnen wie sie auch Mutter sind und ein Leben als Mutter haben – das ist ja immer ein großes komplexes Thema!
00:03:46: Aber bevor wir da einsteigen, Frau Happel ist seit zweiundneunzig eines der prägenden Gesichts des Burgtheaters, mit einer kleinen Unterbrechung nach Berlin.
00:04:01: Bis heute eine der, finde ich, wandlungsfähigsten Schauspielerinnen die sowohl im komischen Fach als auch im tragischen Fach und in ganz besonderen Fächern für dies vielleicht noch gar kein Name gibt.
00:04:18: darüber können wir sprechen.
00:04:19: da denke ich an Toto das entprägendes Gesicht dieses Burgtheatres Und gleichzeitig auch eine Theatermacherin mit Leidenschaft.
00:04:30: Sie sind Regisseurinnen, auch schon seit geraumer Zeit.
00:04:34: Wir sind in vielen Preisen ausgezeichnet.
00:04:36: Keins-Metallie Schauspielerinnen sind im Film, im Kino und im Fernsehen Klimawechsel Soko Donau die Manns sehr präsent.
00:04:48: Wir sind jetzt seit Jahrzehntausendundzwanzig künstlerische Leiterin der Festspieler Reichenau, die heuer ihr Hunderts des Jubiläumfeiern mit einer ganz besonderen Ausgabe.
00:05:01: Darüber werden wir auch reden.
00:05:03: also ich glaube wir haben ein großes großes Thema vor uns.
00:05:07: Ich freue mich sehr.
00:05:08: es gibt eine Autobiografie von Ihnen.
00:05:12: das Schnitzel ist umgesetzt!
00:05:16: Ein lustiger Titel.
00:05:17: Die Anekdote können wir vielleicht später erzählen, wie es zu diesem Titel kommt und sie arbeiten gerade an einer Erweiterung.
00:05:26: An eine erweiterten Ausgabe die im Oktober erscheinen wird.
00:05:30: Ich kann Ihnen das Buch zur Erweitarung des Gesprächs sehr empfehlen.
00:05:35: Es ist anekdotenreich und auch tief Und man erfährt viel über Ihren Werdegangenen und über Ihrem Beruf.
00:05:43: Jetzt habe ich erst mal genug geredet.
00:05:45: Wie geht's Ihnen heute?
00:05:47: Ja, vielen Dank erstmal für die Einladung.
00:05:50: Mir geht es sehr gut!
00:05:52: Wir hatten gestern wie gesagt eine Premiere im Burgtheater.
00:05:56: Das war eine sehr anstrengende und intensive Arbeit.
00:06:01: Die letzten acht Wochen Und eine dieser Arbeiten wo bis zum Ende noch Texte geändert werden und eingeschoben werden weggenommen werden Das habe ich gar nicht so gerne, aber es war halt nötig.
00:06:17: Und das heißt wir haben bis zum Schluss wirklich mit hoher Konzentration arbeiten müssen und die Regisseurin Karin Henkel hat auch jede Minute genutzt.
00:06:28: also wenn auf dem Probenplanen stand zehn bis sechzehn Uhr und wir waren um fünfzehn uhr forty-fünf mit der Szene fertig haben wir noch eine Viertelstunde im Foyer weitergearbeitet, also sie hat wirklich keine Minute verschenkt.
00:06:48: Das geht einem zwischendurch ganz schön auf die Nerven aber am Ende zählt halt immer nur das Ergebnis und es ist wie bei einer Geburt dann sind die Wehen vergessen.
00:07:02: wenn das Kind da ist wird so viel Glück ausgeschüttet dass man dass man sich gar nicht mehr daran erinnern kann.
00:07:09: und wenn war es gar nicht so schlimm.
00:07:11: War das gestern so?
00:07:11: Also, das ist ja noch mal interessant!
00:07:13: Wir haben das noch nicht gehabt, dass wir ein Gast unmittelbar nach der Premiere ungefiltert haben.
00:07:19: War es gesternso?
00:07:20: War der Athernalien-Ausstoß so stark, dass das Glücksgefühl sich einstellt?
00:07:26: Das stellt sich immer nicht sofort ein.
00:07:28: also das braucht immer so einen Moment.
00:07:33: Aber es ist so, dass wir alle da standen und wirklich so gekämpft haben auch um diese Worte.
00:07:43: Darum geht es auch im Stück her um Wörter Als wir gemerkt haben nach dem ersten, also der Schluss ist jetzt auch nicht so dass man sofort jubelt und sich auf die Schenkel klopft sondern es ist nicht unbedingt sehr hoffnungsvoll das Ende.
00:08:05: Das dauerte einen Moment auch beim Publikum unglaublich uns honoriert hat, was wir an diesem Abend zustande gebracht haben.
00:08:15: Und dann sickerte das so langsam nach oben durch und wir haben gemerkt, boah!
00:08:20: Das hat funktioniert.
00:08:22: und ja... Dann haben wir uns hinterher in der Garderobe in den Armen gelegen.
00:08:27: Ja,
00:08:29: dass das Publikum muss auch arbeiten.
00:08:32: Das stimmt ich war gestern in der Premiere.
00:08:34: Ich kann vielleicht noch zwei Worte dazu sagen aber als die Einzelabläuse kam ganz zum Schluss Da hat man gemerkt, das Publikum war gelöst.
00:08:41: Da gab es dann Bravo-Rufe, da gab's dann das Toben.
00:08:44: Vorher merkte man auch zuschauendes Arbeit bei dem Stück drei Stunden.
00:08:48: Es ist eine Überschreibung des österreichischen Auton Ewald Palmezhofer des Shakespeare-Stückes Heinrich IV.
00:08:58: Sankt Falstaff Figur ist mehr im Vordergrund aber das große Stück tragende Thema Stiften sie an in der Rolle des quasi-Königs Heinrich.
00:09:15: Und das fand ich sehr interessant und bewegend, es ist anders als bei Shakespeare mehr ein Autokrat heutigen Zuschnitts, der eigentlich alle Probleme gelöst hat bis auf eines nämlich die Unsterblichkeit.
00:09:29: Das hat mich sehr berührt, denn der Traum von der Unsterbligkeit, das kennen wir von den Autokraten also da gibt's bestimmt schon welche, die dran forschen... Der einzige Grund zur Trauer und das fand ich haben sie toll gespielt in einer großen Melancholie auch, dass Thema der Sterblichkeit nicht lösen zu können.
00:09:49: Das war sehr beeindruckend und es geht darum wie Heinz Heinrich seinen Sohn über seinen Sohnen seine Nachfolge bestimmt organisiert oder verkörpert.
00:10:03: dies geschieht auf doch eine ja starke Art und Weise nämlich über eine Initiation.
00:10:11: Wie wird jemand die Rolle der Macht des autokratischen Herrschers übernehmen, indem er durch Gewalt initiiert wird?
00:10:20: Da muss erst einen Mott begehen.
00:10:22: also kein unterhaltsames Stück aber...
00:10:25: Eine Komödie steht vorne drauf!
00:10:29: Das klingt jetzt vielleicht nicht so, aber es gibt durchaus auch komische Anteile in dem Stück, auch wenn es für sich tragisch ist die Geschichte.
00:10:40: Und ich fand das natürlich eine unglaubliche Herausforderung mich damit zu betrauen einen Autokraten der Gegenwart zu spielen oder darstellen zu müssen.
00:10:51: Ich meine wir schauen uns um und sehen wie sie aussehen ja und da den Grad zu finden einzusteigen in eine Figur die man verabscheut aus tiefstem Herzen, sie aber darstellen will kann soll darf.
00:11:13: Das war also eine ziemliche Herausforderung, die aber auch eine große Lust in sich birgt natürlich das zu zeigen.
00:11:24: Also die Bösen sind ja immer sehr interessant, interessanter oft als die anderen Rollen Und ich durfte ja auch Frau Flott noch spielen, also wir spielen alle mehrere Rollen.
00:11:36: Die Frau Flot ist die Besitzerin eines Clubs, die quasi auf der anderen Seite des Königs ist in so einer Zelle, die gegen diese Autokraten arbeiten.
00:11:51: Also Ich durfte beides in mir vereinen an diesem Abend und das hat große Freude gemacht.
00:11:58: Aber
00:11:58: auch eine wahnsinnig große Herausforderung denn
00:12:01: in
00:12:02: wirklich sekundlich schnelle, also nicht nur sie, sondern alle sechs Ensemble-Mitglieder wechseln.
00:12:08: Aber auch Sie in kürzester Zeit die Rolle zwischen der Oberschicht und der Subkultur des Clubs – in sekunden Stelle!
00:12:16: Da habe ich wahnsinnig gestaunt wie wenig Zeit Sie haben um komplett in einem anderen Kostüm, komplett in einer anderen Gestis der Figur dann dort zu
00:12:26: sein.".
00:12:27: Ich glaube, darin liegt der Ursprung des Schauspiels.
00:12:30: Oder ich glaube das genau Max Reinhardt, als er gesagt hat man soll sich die Kindheit in die Tasche stecken dass damit gemeint hat weil Kinder machen das so und sagen ich werde die Mutter du wirst es kind gut nein du bist der Vater ich bin das Kind.
00:12:46: ja und schon geht es und wenn man sich das bewahrt und das beibehält Ist man auf dem besten Weg, ein guter Schauspieler zu sein oder eine gute Schauspillerin?
00:12:58: Das ist gestern unglaublich gut gelungen und man muss sagen, Birgit Minich-Meyer spielt den Falstaff.
00:13:04: Hivjana Beglau spielt mit Oliver Nägel, Tim Werz und Tristan Witzl.
00:13:11: Eine Neuentdeckung oder einen Neuzugang bei der Burg.
00:13:14: Ein unglaublich begabter junger Schause Spieler.
00:13:16: Den kennen Sie noch aus Reinhard Seméner.
00:13:18: Ich hab ihn aufgenommen ja!
00:13:21: Aber da geht doch ... Da geht doch was auf, oder?
00:13:24: Also ich meine, dass man dann am Abend zusammen spielt und acht Wochen zusammen probt.
00:13:27: Er spielt den Sohn!
00:13:29: Er spielt dem nichtverlässlichen in der Subkultur verlorenen Sohn, weswegen sich Heinz Sorgen macht... Und dann wird er es ja.
00:13:40: Er schafft es noch charakterlich an mich heran zu kommen.
00:13:43: Ja.
00:13:46: Und Gott sei Dank ist das Thema der Unsterblichkeit nicht lösbar.
00:13:50: Das heißt ... Wir müssen uns noch,
00:13:53: also meine Tochter hat mir gesagt man könnte theoretisch schon viel viel viel älter werden.
00:13:59: So um die fünfhundert Jahre.
00:14:01: das würde man aus wissenschaftlicher oder medizinischer Sicht schon schaffen.
00:14:06: nur dann wohin damit ja?
00:14:08: Also da müssen wir sich dann was anderes einfallen lassen.
00:14:13: aber das ist halt immer die Frage.
00:14:16: Es gibt ja viele Themen und ich komme langsam auch in ein gewisses Alter, nur die Torte unter der Last der Kerzen kollabiert am Geburtstag.
00:14:28: Und man sich Gedanken macht, das ist doch ganz klar!
00:14:33: Joachim Fuchsberger hat ein wunderbares Buch geschrieben, alt werden is nicht für Feiglinge Ja, die Dinge, die da auf einen zukommen.
00:14:43: Klar haben wir Hilfsmittel.
00:14:44: Klar können wir Leben verlängern aber man schaut schon anders zurück und hat natürlich auch einen riesengroßen Rucksack dabei mit zum Einen Teil guten Erfahrungen Mit schönen Erinnerungen Aber auch mit all dem anderen.
00:15:01: ja uns Krankheiten und was weiß ich?
00:15:05: Das ist ein super Absprung um vielleicht ein bisschen in das Leben einzutauchen, was hat Ihnen die Kraft gegeben?
00:15:15: Was gibt ihnen die
00:15:16: Kraft?".
00:15:17: Sie sagen diesen schönen Satz.
00:15:19: Sie denken an ihre Kindheit mit einer großen Zärtlichkeit und dazu muss man wissen dass Frau Happel aus einem kleinen Dorf im Spessart ...
00:15:32: Es ist gerade
00:15:33: noch Bayern, aber
00:15:35: um die Matura zu schaffen musste ich nach Hessen fahren drei Jahre.
00:15:40: Aber mich würde interessieren weil heute ist ja auch Muttertag und vielleicht hat das dieses Wort dass sie zärtlich auf ihre Kindheit zurückblicken auch damit was zu tun.
00:15:49: wie können wir uns das vorstellen?
00:15:51: Ich war ein unverhofftes kind.
00:15:58: sehr spät als Überraschung noch mal in diese Familie.
00:16:02: Meine vier Geschwister waren nahezu erwachsen, meine älteste Schwester bereits zwanzig Jahre älter die nächste siebzehn, die nächste vierzehn.
00:16:14: dann kam endlich der Junge damals mein Bruder zehn Jahre und damit war diese Familienplanung eigentlich abgeschlossen bis zu einem verhängnisvollen Karnevalsabend an dem die Nachenkappen, ich weiß nicht zu tief gezogen wurden.
00:16:34: Also auf alle Fälle war meine Mutter mit forty-two Jahren noch mal schwanger.
00:16:40: und nach dem ersten Schock und im ersten Sprecken war ich dann ein unglaublich geliebtes, von allen gewolltes Kind in diesem kleinen Ort.
00:16:54: In diesem Mikrokosmos.
00:16:56: und was Besonderes ja?
00:16:58: Von Anfang an die Großeltern lebten auch im Haus.
00:17:02: Es war eine Großfamilie, die mich behütet hat.
00:17:08: Es wurde jetzt nicht so großes Aufhebensdamm umgemacht.
00:17:11: Ich bin halt irgendwie mitgelaufen, aber dadurch dass ich so tolle große Vorbilder hatte nämlich meine Schwestern und meinen Bruder war.
00:17:20: dieses Nacheifern ging sehr früh los und so kam es das.
00:17:26: Also die Orgelbank in diesem Ort war fest in Familienhand seit meinem Urgroßvater, also er war Volksmusiker und saß da schon bereits auf dieser Orgelbank.
00:17:39: Und meine Großmutter hat darum gekämpft dass die Orgelbank auch in der Familie bleibt ja!
00:17:46: Meine Geschwister haben also auch Orgel gelernt und gespielt und hatten dann aber natürlich ihre Berufe.
00:17:53: ich war neun Jahre alt und meine vierzehnjährige ältere Schwester Die musste immer morgens zu die Messen spielen.
00:18:04: Und sie war damals schwanger und ihr war schlecht, sie konnte einfach nicht.
00:18:10: Meine Großmutter sagte wie sieht's aus?
00:18:13: Ich konnte schon die ersten vier, fünf Lieder gut begleiten.
00:18:19: Sie ist mit mir dann morgens um sieben Uhr auf die Empore gestiegen.
00:18:25: Ich habe zum ersten Mal eine Messe gespielt.
00:18:29: Der Pfarrer hat hochgeschaut, hat sich gewundert.
00:18:31: Weil es klang anders und vor allen Dingen er hat niemanden gesehen weil ich noch nicht über die Brüstung schaut konnte und auch die Beine noch zu kurz waren um die Besse mitspielen zu können übrigens in dieser Kirche versetzt waren also nicht wie in jeder Kirche.
00:18:50: an jeder Orbel ist unter dem C oben am Manual unten das See für die Bässe, nicht bei dieser Orgel.
00:18:59: Es war um fünf Töne verrutscht!
00:19:02: Also wenn hier das See war, war das bunten und ich habe jahrelang so Orgel gespielt.
00:19:09: Aber ab dem Moment war ich natürlich bei meiner Schwester entlastet... Und ich habe ... Ab dem Zeitpunkt war ich halt an der Dorforganistin vor der Schule die Messe gespielt.
00:19:24: Und dann, als es Schulwechsel gab und ich weiter weg kam, habe ich mich halt immer weiter rangearbeitet.
00:19:32: Ich habe einen tollen Lehrer bekommen in Aschaffenburg, in der Stiftskirche und habe dann angefangen dazu zu singen.
00:19:42: Habe Hochzeiten bei allen möglichen Veranstaltungen gespielt!
00:19:49: Dann war mir das aber irgendwann mit dieser Kirche immer im Hintergrund zu sein.
00:19:55: Und unten waren die großen feierlichen Prozessionen, es wurden Monologe gehalten ... Da war die Aufregung, Kerzen und Lichter.
00:20:06: Es war was los!
00:20:07: Ich saß immer da hinten im Verborgenen und dachte, da muss es doch eine andere Möglichkeit
00:20:13: geben.".
00:20:17: Dann bekam ich einen Anruf aus einem Nachbarort die eine Big Band gegründet hatten und es fehlte ihnen noch jemand an der Hammond-Orgel.
00:20:29: Oh!
00:20:29: Und da kam dann der weltliche Bereich dazu, ich spielte nach wie vor die Hochzeiten aber abends war ich als Alleinunterhalter auch dabei.
00:20:40: Also Hochzeite keine Ahnung habe ich.
00:20:42: so viele erlebt schon in meinem Leben in wirklich allen Varianten allen Möglichkeiten.
00:20:51: nicht einmal, dann habe ich auch zum Beispiel ... hat ein wirklich sehr von mir verehrter junger Mann aus dem Ort eine andere geheiratet.
00:21:05: Da klang es eher nach Traumarmarsch.
00:21:11: Aber gut!
00:21:12: Irgendwann war mir aber klar dass das nicht sein kann, dass sich woanders hin möchte.
00:21:18: und in der neunten Klasse kam eine Theater-Truppe in die Schule.
00:21:23: Und man durfte sich melden, um mitzuspielen.
00:21:28: Es war der kaukasische Kreidekreis im Brecht und ich durfte einen Markt spielen.
00:21:36: Ab dem Moment war ich infiziert und dachte, das ist ja unglaublich!
00:21:42: Das ist ein richtiger Beruf.
00:21:43: Die fahren durch die Schulen, die fahren rum und spielen jeden Tag Theater.
00:21:48: das möchte ich auch machen.
00:21:51: Ich habe mich dann meinem Deutschlehrer anvertraut, der gesagt hat gut du musst erstmal deine Matura machen.
00:22:00: Der hat sich drum gekümmert ist zu meinen Eltern gefahren, das Mädchen wird keine Ausbildung machen sie wird noch weiter drei Jahre zur Schule gehen.
00:22:08: deshalb bin ich über die Grenze gefahren und dort hatte Ich einen Musiklehrerin dem ich mich anvertragt habe.
00:22:16: ich würde so wahnsinnig gerne weil.
00:22:18: ich hab dann angefangen mit Latein Weil Die Idee meiner Eltern kirchenmusik naheliegend war und ich quälte mich mit Latein.
00:22:28: Und er sagte dann, du musst... Ich sagte, ich würde sogar Theater machen!
00:22:34: Und der sagte Du musst es verbinden.
00:22:36: Musik singen sprechen und tanzen.
00:22:40: macht doch Musical Dann hast du alles wieder ist dieser Lehrer dann zu meinen Eltern gefahren ein langes Gespräch mit ihnen geführt in Hamburg auf einer Musical-Schule, auf der ich aber dann sehr schnell gemerkt habe dass mich Katzen und Eisenbahnwaggons gar nicht so interessieren.
00:23:08: Und zum ersten Mal die Menschendarstellung viel interessanter fand.
00:23:15: auch da hatte ich einen fantastischen Lehrer Peter Mertens Der Vater von Michael Mertins.
00:23:23: also deshalb haben wir so eine Art Wahlverwandtschaft.
00:23:28: Noch lange, bevor wir zusammen auf einer Bühne standen, haben wir irgendeine Art und Weise eine gleiche Erziehung genossen was das Theater angeht.
00:23:41: Und deshalb sind wir uns vielleicht auch so nah und verbunden.
00:23:46: Dann war ich auf diese Schule und kam relativ schnell an ein Theater, nämlich nach Bremen.
00:23:56: Immer noch sehr weit im Norden aber das war für mich damals eine fantastische Stadt die noch davon lebte.
00:24:04: davor waren Menschen wie Kurt Hübner Peter Zadek Andrea Bred als Regieassistentin und also da war so einen... Das konnte man immer noch spüren.
00:24:18: in der ganzen Stadt ein unglaublich geschultes Publikum und dort habe ich meine ersten vier Anfängerjahre verbracht.
00:24:30: Ich durfte da schon das Leben von Edith Piaf spielen?
00:24:34: Da müssen wir noch gesonder drauf sichern, weil es ist ja doch nochmal interessant, weil das habe ich mir schon vorgestellt Sie kommen aus diesem wirklich katholischen Biotop, da im Spessart stark Dialekt geprägt.
00:24:52: Dann kommt die Schauspielschule, die ja nicht so leicht war für sie.
00:24:55: Es gibt die Episode das Idaere einen Spruch gemacht hat der nicht aufbauend war, der dann noch dazu geführt habe... Achso was hat sie gesagt?
00:25:08: Ich hab's mir aufgeschrieben!
00:25:09: Das fand ich schon krass!
00:25:11: Kann ich sagen oder ist es für Sie nicht mehr...?
00:25:13: Natürlich!
00:25:15: Ich hab es selbst nur geschrieben!
00:25:16: Eine Zwischenprüfung jedes Jahr, gab es bei den Schauspielern.
00:25:21: Dann sagt Ida Ehre, die damals die Kammerspiele in Hamburg geleitet hat.
00:25:27: Prinzipialin war auch ein schönes Wort.
00:25:29: Heutzutage muss man als Schauspielerin entweder temperamentvoll oder originell sein.
00:25:35: Leider sind sie von beidem gar nichts und zudem sind Sie ja gar kein deutscher Typ!
00:25:42: Was wollen Sie denn am Theater spielen?
00:25:46: Das fand ich schon krass... Aber Sie schreiben, dass sie zu Antwort gegeben haben.
00:25:52: Aber sie doch auch nicht!
00:25:55: Ich habe ja später dann die Möglichkeit gehabt mit ihr zu sprechen.
00:26:00: Witzigerweise also meine.
00:26:02: eine meiner besten Freundinnen, die mich auch geprägt haben am Theater in Bremen war eine Vienerin, die dort engagiert war damals schon eine ältere Dame und sie kam aus Wien und war die erste Frau von Michael Kehlmann, also dem Vater von Daniel Kehlman.
00:26:27: Und sie hatte mich sehr geprägt.
00:26:30: Und ihre Trauzeugin bei der Ehe mit Michael Kehlmann war Ida Ehre.
00:26:36: Nun spielte diese Herrtha Martin, ihr Name, spielten mit mir in diesem Piafstück und Ida Eyre kam in die Premiere ... revidiert.
00:26:49: Ja, ja!
00:26:51: Natürlich aber Sie sagen es hat sie so lange beschäftigt dass sie erst bei ihrem großen Gastspiel am Hamburger Schauspielhaus gesagt haben oder geschrieben haben jetzt habe ich das Gefühl ich hab meine Aufnahme Prüfung bestanden.
00:27:01: Die
00:27:01: fand oben im in der Staatsoper oben in den Räumen fand das Staat und da passierte diese Geschichte und das hat mich wirklich damals unendlich... kränkt kann man gar nicht sagen, verbundet.
00:27:18: Ich war drei Tage lag ich in einem dunklen Zimmer weil ich gar nicht wusste was ich nun tun soll.
00:27:24: Ich wusste nur eines mit Sicherheit!
00:27:27: Ich kann nicht zurück in mein Dorf gehen das wird sich nicht mehr ausgehen.
00:27:31: und nach diesen drei Tagen bin ich aufgestanden und habe weitergemacht ja?
00:27:39: Ich hatte immer noch den starken Dialekt ich hab es net gemerkt.
00:27:48: Und habe meine Rollen so auch gespielt.
00:27:50: Ich habe dann geackert, ich habe jeden Morgen gegurgelt weil ich konnte dieses Gaumenröhr.
00:27:56: Konnte ich nicht!
00:27:57: Bei uns wurde gerollt also fränkisch-hässig-speirisch.
00:28:01: Ja?
00:28:03: Ich habe mich da unglaublich reingekniet um zu beweisen dass ich dahin gehöre.
00:28:09: das hätte ich vermutlich nie getan wäre ich so durchgekommen wie nix.
00:28:15: Das ist immer dann die Frage bei solchen Sätzen.
00:28:17: Also, ist das zielführend?
00:28:21: Wer weiß... Ich kann es nicht beweisen.
00:28:26: Aber um wieder ein Beispiel mit den Kindern, da sagt man ja auch, sie müssen sich groß fallen.
00:28:33: Man muss einmal auf die Herdplatte fassen, um zu begreifen, dass man sich da die Finger verbrennt.
00:28:41: glaube ich, alles in einem gesunden Maß stattfinden.
00:28:45: Es gibt Menschen die können daran auch zerbrechen an so einem Urteil oder gehen nach Hause und sagen, nie wieder will ich damit was zu tun haben.
00:28:55: Ich glaube trotz alledem dass ein Weg oder der eigene Weg das eigene Schicksal auf eine Art und Weise vorgezeichnet ist und je schneller man sich damit abfindet Umso einfacher ist es und umso leichter ist auch das Weitergehen.
00:29:12: Und niemanden von uns sind negative Dinge erspart im Leben, das passiert ja?
00:29:19: Die Hoffnung die wir alle in uns tragen dass nach so einem Tal wieder aufwärts geht... Das hält uns am Leben und gibt uns
00:29:33: die Kraft!
00:29:37: auf ihr Leben schaut, irgendwie nicht wirklich ein Zufall dass ihre erste wirklich große Rolle dieser vierte Produktion in Bremen dann die Edith Piaf wird.
00:29:47: Die Piaff wird in der Zeit sie haben es glaube ich hundertseinundneunzig mal gespielt in dieser Inszenierung von Thorsten Fischer, die erste Inszenierung.
00:29:56: Ein Stück der amerikanischen Autorin Pam Gems Edith Na, was
00:30:00: eben Maria Bell hier in Wien gespielt hat.
00:30:03: Am Schauspielhaus?
00:30:04: Mit großem Erfolg ja, wurde dann in Bremen ... durfte ich diese Rolle übernehmen und ich war ... ... zwanzig Jahre alt und es über Nacht ein bunter Hund.
00:30:20: Und das war schon auch eine irrsinnige Erfahrung natürlich!
00:30:24: Und der Stück erzählt ja den Weg von Beginn, von der Straße bis zum Tod mit siebenundvierzig Jahren.
00:30:29: Also das ist ein doch sehr eindrucksvolles Stück weil es ja auch ein wirkliches Leben beschreibt.
00:30:35: Das ist ja keine Fiktion sondern es ist ja wirklich sehr genau geschrieben des Stück entlang dieses wirklich katastrophalen Lebensvernedetbier.
00:30:43: Ja und
00:30:43: das Gute ist also dass man mit zweiundzwanzig also das Recht der Jugend hat und gar nicht weiß was man tut.
00:30:52: Hätte ich das gewusst, hätte mich wahrscheinlich gar nicht dran gewagt.
00:30:55: Aber so habe ich Eulen nach Athen getragen!
00:30:59: Ich bin nach Paris gefahren und habe auf der Straße gesungen.
00:31:02: Ich habe im Olympia letztendlich dann singen dürfen, begleitet von Charles Dumont, der Norwegian Regretariat komponiert hat und habe mir nichts dabei
00:31:17: gedacht.".
00:31:18: Ja, es ist sehr viel später.
00:31:21: Also auch mit zweiundzwanzig denkt man, oh wie spiele ich denn diese alte Frau am Ende?
00:31:25: Mit siebenundvierzig, ja!
00:31:29: Als sich mit sieben und vierzig immer noch Edipiaff spielte, dachte ich, glaubt mir noch jemand das junge Mädchen am Anfang zurück.
00:31:38: Aber auch das eine tolle Erfahrung, eine Rolle die einen über so einen langen Zeitraum begleitet und man eine Figur begleiten darf.
00:31:49: Weil immer wieder an einem anderen Lebensabschnitt, als ich dann meinen ersten wirklich großen Liebeskummer hatte, konnte ich Selamur ganz anders singen als vorher.
00:32:00: Und so hat sich das einfach ... Ist es auch gereift in mir mit mir und ich an dieser Figur?
00:32:09: Sie hat sie ja wirklich lange, lange begleitet.
00:32:14: Sie haben das Stück dann auch mal selber inszeniert.
00:32:17: Zwei
00:32:17: Mal?
00:32:17: Ja.
00:32:18: Und dann gibt da noch eine Weiterschreibung oder ein neues Stück, wo nur ein Ausschnitt aus Edith Piafs Leben in Bezug ihrer Liebe und ihre Beziehung zu Marlene Dietrich war.
00:32:31: Es war also die Idee ... Ich bin einen Abend eingeladen bei Freunden, die so eine Art Salon hatten.
00:32:44: Der Hausherr hat die Tür aufgemacht und sagt, das ist ja interessant.
00:32:47: Heute haben wir eine Marlene Dietrich hier und eine Edith Piaf.
00:32:50: Und es war Sona McDonald.
00:32:54: Dann war es naheliegend, dass wir irgendwann zusammen am Klavier saßen ... Ich sag, es gibt ein Lied, was beide Frauen gesungen haben, nämlich Lavian Rose.
00:33:05: Das haben wir gesungen?
00:33:07: Da ist die Idee gereift, daraus einen Abend zu machen über die Verbindung mit zwischen diesen beiden Frauen, die kaum jemand kannte.
00:33:18: Also diese enge Verbindung und wohl eines der bestgehüteten Geheimnisse auch war um sich das zu bewahren.
00:33:26: aber sie waren Grundverschieden.
00:33:28: also ich sage immer die eine war der Kopf, andere der Bauch, die eine War die Technikerin wie andere die Verschwenderin Und die haben sich gefunden und gemocht und geliebt und waren keine Konkurrentinnen, und konnten.
00:33:44: auf ihre Art standen beide auch für ihre Länder.
00:33:49: Also die Edith Piaf, die sehr ... für die Resistenz gearbeitet hat.
00:33:54: Und Marlene Dietrich wie wir wissen gegen die Nazis.
00:33:59: Auch da haben diese Ikonen, wie ich sie nenne, gefunden.
00:34:04: Und waren aber trotzdem auch einfach beides ... Einfach nur Mädchen, die irgendwann mal angefangen haben zu singen oder zu tanzen oder zu sprechen.
00:34:17: Und da jemandem zu finden der einen imgegenüber versteht und hält das ist halt selten.
00:34:27: und wenn man so jemandem findet und da haben sie beiden sich wirklich gefunden geschrieben hat, was dann belegt wurde.
00:34:40: Weil die beiden sind nach Paris gefahren.
00:34:41: Man könnte denken das ist eine Fiktion, es ist eine Geschichte.
00:34:44: Marlene Dietrich und Edith Piaf treffen sich ja Spatz und Engel.
00:34:49: Und haben in Paris damals noch lebende Haushälterinnen von Marlene Dietrich getroffen, die ihnen ein dickes Fotoalbum übergeben hat.
00:35:01: In diesem Foto Album haben wir am Ende des Stücks im Burg der Arte eingeblendet sind halt die Beweisfotos.
00:35:10: Also wie man sieht, wie ... Eine
00:35:12: Liebesbeziehung?
00:35:14: Ja kann man so sagen.
00:35:15: ja auf jeden Fall wie Marlene Dietrich vor Edith Piaf kniet und ihr das Riemchen zu macht am Schuh und auch natürlich also das öffentlichste Bild was es gibt ist dass Marlene Diedrich als Witwe hinter dem Sarg von Eddie Piaf geht und dann erst Theo Sarapo.
00:35:39: Ich habe aus dem Pam Gems Stück einen wunderschönen kleinen Dialog, Piafs sagt ach nee das Geld ist es ja nicht ich mache's ja nicht wegen den Geld sagt Marlene natürlich nicht.
00:35:51: wir wollen geliebt werden.
00:35:54: da sind doch alles Mätzchen von Leuten die gar nicht wissen was das ist.
00:35:57: Hingabe Das ist eine so große Leiden schaftliche Frau.
00:36:04: Natürlich kommt bei ihr neben dem Gefühl, dass geliebt werden wollen sie immer noch der Moment der Zerstörung dazu.
00:36:11: also das ist ja bei Edith Biaf immer so ein Auf und Ab aber diese unwendige Energie auf der Bühne im Leben ist schon faszinierend.
00:36:25: Vier Jahre haben Sie es damals in Bremen gespielt oder?
00:36:27: Ja vier
00:36:28: Jahre in Breemen zwei Jahre in Hannover zwei Jahre Köln Und dann habe ich es sehr selber gemacht in Bochum und in Graz.
00:36:40: Dann kam schon mein Mann, auch schon da er war lecker auf der Premierenfeier!
00:36:52: Ja und dann kam schon Spatz und Engel.
00:36:54: ja das war ein Unfertiges Stück, die Theater waren nicht sonderlich begeistert und Theresa Pultz hat es vorgeschlagen.
00:37:06: Im Burgtheater war noch Matthias Hartmann, wir haben eine Leseprobe gemacht und am nächsten Tag war klar dieses Stück wird aufgeführt werden.
00:37:15: Es hieß damals ging es gab es diese Nein zu arm und krank.
00:37:21: das war so eine Benefitsveranstaltung.
00:37:24: dafür haben wir es gemacht.
00:37:25: Wir hatten exakt vier Proben Tage.
00:37:29: Echt?
00:37:29: Und dann haben wir es sieben Jahre lang gespielt.
00:37:35: Das ganze Stück vier Proben-Tage, Wahnsinn!
00:37:38: Ist ja ein abendfüllendes Stück.
00:37:39: Ja, am Anfang hatten wir auch noch immer unsere kleine Bücher in der Hand und irgendwann brauchten die nicht mehr.
00:37:47: Erzählen Sie Ihren Studentinnen und Studenten vielleicht auch eine mutmachende Geschichte wie Sie überhaupt ... weil die ist lustig... Die können wir erzählen wie Sie nach Bremen gekommen sind.
00:37:58: Naja, es war so.
00:38:00: Es war sehr verlockend.
00:38:03: In Bremen machen Sie ein Stück ... Ein Musical?
00:38:05: Ja!
00:38:06: Savari vom dicken Schwein das Dünn werden wollte.
00:38:12: Da bin ich hingefahren zum Vorsprechen und stellte sich raus.
00:38:16: Savari hat es geschrieben.
00:38:18: Er ist aber nicht da.
00:38:19: Also er hat damit gar nichts zu tun.
00:38:21: Das ist das Weihnachtsmärchen.
00:38:24: Es spielt auf einem Bauernhof alle ... Rollen sind besetzt, man braucht nur noch sieben Hühner.
00:38:34: Und dann kam die Improvisation mit vielen Musical-Darstellerinnen, die alle angereist waren – mit dicken Taschen, wo Steppschuhe und was weiß ich zum Umziehen drin waren?
00:38:48: Wir mussten Hühners improvisieren!
00:38:52: Irgendwann sagte diese Regisseurin Diese Improvisation leitete zu mir.
00:39:00: Warum spielen Sie nicht mit?
00:39:02: Und ich sagte, ich spiele mit.
00:39:04: Ich sagte sie was machen Sie?
00:39:07: und ich sagte naja ich dachte hier sitzt der Hahn!
00:39:13: Ich hatte mich einfach in die Nähe der Jury gesetzt.
00:39:16: ja es hat gereicht also sie hat mich engagiert.
00:39:22: ich wurde das dritte Huhn von links.
00:39:26: Die Regisseurin war Sigrid Herzog, die Schwester von dem berühmten Werner.
00:39:31: Werner Herzog ja?
00:39:33: Und leitete die Feikenbergschule in München und mit ihr bin ich auch immer noch befreundet weil das war wirklich mein Weg nach Bremen.
00:39:45: Ich wurde dann übernommen sogar als Huhn.
00:39:49: Komm ins Herzog!
00:39:51: Ja Ich kam ins Ensemble und aus dem Boden wurde, wie man weiß ein Spatz.
00:39:57: Und damit war Bremen für mich.
00:40:00: oder ist meine Theaterheimat geblieben bis ich dann eben ...
00:40:05: Begegnung mit Zehn der Hausnacht!
00:40:07: mit Xenia Hausner als Bühnenbild darin.
00:40:10: Ja, natürlich!
00:40:12: Ist ja interessant.
00:40:13: Man kommt da hin und dann lernt man so viele tolle Leute kennen?
00:40:16: Ja, das
00:40:17: war fantastisch.
00:40:18: Xenias Hausner hat sie auch gemalt, porträtiert.
00:40:20: Richtig... Und dann sind Sie über Hannover,
00:40:27: Köln ... Also in Kölne hatte ich meine erste große Arbeit.
00:40:33: Ich durfte die im jüngsten Tag im Horwart.
00:40:38: Das war für mich auch eine unglaublich prägende Arbeit.
00:40:43: Und das war eine Festwochenproduktion, also wir fuhren zu den Wiener Festwochens, spielten im Volkstheater.
00:40:50: den jüngsten Tag und am nächsten Tag bekam ich so lange ist es leider schon her ein Telegramm von C. Peimann Und ich bin zur Abendvorstellung gegangen mit dem Telegram und habe zu den Kollegen gesagt, wer von euch Schweinen war das?
00:41:17: Als der Intendant, der die Regie gemacht hatte, zu mir kam und
00:41:25: rückwirkend
00:41:26: meine Gage erhöhen wollte, kam mich dann doch auf den Gedanken, dass Telegram ist echt.
00:41:34: Ich kannte mich nicht wirklich aus, ich habe mich nicht einmal bedankt.
00:41:38: Also wirklich, ich hab's zwar aufgehoben aber es ist in Vergessenheit geraten und ein Jahr später habe ich gekündigt im Köln am Theater aus ganz niederen privaten Gründen wollte ich nicht mehr da am Theater sein oder überhaupt nicht mehr Theater machen.
00:42:00: Ich habe dem Theater die Schuld gegeben, dass ich privat so unglücklich war.
00:42:05: damals und in dieser Phase bekam ich einen Anruf von einem Freuleinschneider und sie sagte stimmt es das Sie in Köln gekündigt haben?
00:42:18: Ich sag ja!
00:42:19: Und sie sagte der Herr Preimann würde Sie gerne kennenlernen.
00:42:23: Ich hab damals in diese Phase wo ich nicht mehr theater spielen wollte Im Variethege arbeitet in Frankfurt im Tigerpalast.
00:42:32: Da bin ich aufgetreten mit zwei Königstiegern, also nicht ich aber die sind auch aufgetretet!
00:42:37: Ich habe sie nur angesagt.
00:42:40: Ich habe als Konfrossier gearbeitet und zwischendurch ein Papiaflieder gesungen und hab mit den Artisten zusammen gelebt und die haben mir so unglaublich Mut wieder gemacht.
00:42:54: zum einen weil sie keine Konkurrenz kennen, weil der Jungler kann was, was die Seiltänzerin nicht kann.
00:43:02: Und das Zusammenleben mit denen war so wunderbar und entscheidend, weil ... Was die können?
00:43:10: Die arbeiten ja dann vielleicht nur zehn Minuten am Tag aber in ... Das kann lebensgefährlich sein!
00:43:18: Der ganze Tag, das ganze Leben richtet sich darauf hin aus.
00:43:22: Da hab ich sehr viel begriffen auch zum Thema Mutter-Kind.
00:43:28: Ich habe damals, als ich zum zweiten Mal da war, kannte ich meinen jetzigen Mann schon der immer sagte er würde gerne Kinder haben.
00:43:36: für mich war das in dieser Paimannschule ausgeschlossen.
00:43:40: Das gab es nicht!
00:43:41: In der ganzen Direktionsetage gab es keine Schwangerschaften ja und ich hatte auch mehr Angst ist Paiman zu sagen als meiner Mutter.
00:43:52: Damals in diesem Tigerpalast kam ich zu einer Probe, die Artisten trainierten und es war eine Artistin aus der Schweiz Dimitrie.
00:44:04: Aus der Dimitri-Dynastie, die arbeitete auf dem Schlappseil.
00:44:08: Also das Schlappsseil ist nicht gespannt sondern das hängt durch.
00:44:12: ja Und sie trainierte und lag auf diesem Schlapsseil wie in einer Hängematte.
00:44:18: Und auf ihrem Bauch hatte sie ihr drei Wochen altes Baby, und das war für mich so ein ... Das hat sich eingebrannt dieses Bild, dass ich dachte ja es geht!
00:44:30: Ja?
00:44:31: Es geht und ähm, das hat meinen, ja meine Entscheidung, mich dem Wunsch meines jetzigen Mannes zu fügen, äh, hat er sehr dazu beigetragen.
00:44:44: Also familienfreundlich ist der Beruf?
00:44:47: Nicht, das ist ja klar.
00:44:49: Aber welcher Beruf ist das schon?
00:44:51: Ja aber immer wenn auch Frauen was zu sagen hatten hat das besser funktioniert.
00:44:58: ich habe zum Beispiel in Berlin mein unsere zweite Doktor ist in Berlin zur Welt bekommen und wir bekamen ein wahnsinnig schönes Kinderbettchen damals zur Verfügung gestellt von einem Kollegen.
00:45:11: vom Beeder sagte, das ist noch ein Helene Weigel-Bettchen.
00:45:15: Als Helene weigelt das Theater geleitet hat des Berliner Ensemble gab es natürlich die Möglichkeit die Kinder mitzubringen zu den Proben und es gab Kinderbettchen und eines davon durften wir dann haben.
00:45:29: ja also auch als ich hier einmal zu einer Probe mit einer Schläf sagte Ich weiß nicht was ich tun soll ich habe kein Kindermädchen und es war das selbstverständlichste von der Wilderseite.
00:45:43: Mitbringen, einfach mitbringen!
00:45:46: Und sie malte dann im Akademietheater, da kriegte irgendwie ihre Zettel und er probte – und es waren überhaupt kein Thema.
00:45:54: also deshalb... Bitte ich immer darum oder denke, es könnte so viel einfacher sein für uns Frauen die das hinkriegen müssen.
00:46:03: Wir müssen halt in einem bestimmten Alter die Kinder kriegen.
00:46:07: wir können's nicht aufschieben wie die Männer die noch Anthony Hopkins oder was weiß ich Tali Chaplin mäßig ja bis bis hin zu alter
00:46:17: Kinderzeugen
00:46:19: Pflanzen können.
00:46:20: Wir müssen das alles relativ komprimiert in einer bestimmten Zeit machen und dazu noch die Spülmaschine ausräumen oder nicht immer, aber eigentlich selten.
00:46:35: Aber das muss man ja irgendwie alles organisiert kriegen.
00:46:38: Und da können wir absolut uns verbessern indem wir die Frauen unterstützen.
00:46:46: Absolut!
00:46:54: Ja, es ist aber schön, dass Sie das sagen.
00:46:56: Es ist ein bisschen in Vergessenheit geraten, dass gerade die DDR da sehr viel gemacht hat.
00:47:00: Also weil sie jetzt sagen, Helene Weigel einer Schleif oder Leute, die das noch kennen aus der DDR, dass Frauen und Kinder kriegen eigentlich zum Leben dazugehörte?
00:47:12: Das war nicht so wie heute.
00:47:16: Ja, dann gibt's ja die lustige Episode.
00:47:18: ich glaube nach ihrer zweiten Tochter Haben Sie gesagt oder haben Sie geschrieben, vom Wochenbett direkt ins Mutterfach?
00:47:29: Weil sie dann die Gertrud gespielt haben.
00:47:31: Es ist ja immer interessant bei Schauspielern dass sich das... Die Rollen auch mit dem biografischen manchmal doch immer so eine Konkurrenz kriegen also das private und oder das biografische mit den Rollen.
00:47:48: es gibt auch manchmal so ne Zusammenkunft.
00:47:52: Ja, also ich meine es ist toll.
00:47:53: an unseren Beruf ist wir können ja immer alles sein.
00:47:55: Wir können alt sein, wir können jung sein, Kinder spielen, dicke spielen und dünne spielen.
00:48:01: Ich kann groß sein, ich bin klein... Also es ist immer alles möglich aber die Theater-Generationen sind kürzer als im wirklichen Leben.
00:48:13: Also ich habe ja vorhin gerade erzählt Michi Mertens, wir haben zur gleichen Zeit begonnen.
00:48:18: Er ist ein Jahr jünger muss man ehrlicherweise sagen?
00:48:21: Ein Jahr!
00:48:24: Aber in dieser berühmten Hamlet-Aufführung von der sie jetzt gerade sprechen war er der Hamlet der Junge und ich ein Jahr älter seine Mutter.
00:48:35: Also das hat sich jetzt total geändert.
00:48:39: Er is immer noch ein Jahr Jünger aber die Ehefrauen auf der Bühne werden immer jünger und das ist, finde ich ein ganz falsch verstandener Feminismus.
00:48:52: Das meine ich nicht!
00:48:53: Also ich finde das ganz toll jetzt mit dem quasi König und was ich alles erzählt habe.
00:49:00: aber mein Ziel ist es nichts in meinem Alter alte Männer auf der Bühne darzustellen.
00:49:07: also die Frauenrollen sind aber nicht wirklich da.
00:49:12: Was bleibt uns wenn Ich hab das von einem Regisseur gehört, also ist es nicht nett.
00:49:21: Der dann sagt na ja wenn die Erotik mal wegbricht was heißt denn das?
00:49:26: Also ab wann isst das so?
00:49:29: Kann man das irgendwie berechnen?
00:49:31: oder wie lange darf ich denn sexy sein?
00:49:35: oder wie lang bin ich da?
00:49:38: Was ist das für eine Aussage?
00:49:41: Im Alter bleibt uns die Großmutter aus Geschichten aus dem Wiener Wald und herrelt ein Mut.
00:49:49: Und der Rest, süßer Vogeljugend gibt es vielleicht noch aber die Rollen dünnen sich natürlich sehr aus.
00:49:55: Da müsste man jetzt nochmal Marina Abramowitsch in eine Stimme geben, die ja gerade anlässlich einer Ausstellung in Berlin gesagt hat, jetzt sie über sechzig.
00:50:03: Sie sagt, sie fühlt sich selber in ihrem erotischsten Alter und hat grade jetzt überhaupt zum ersten Mal das Gefühl ihre Erotik voll ausleben zu können.
00:50:13: Geht
00:50:13: mir auch so!
00:50:25: Das stimmt, aber übrigens im gestrigen Stück von Ewald Palmezhofer ist es stets schon im Stück das der durch die Doppelbesetzung... Ja.
00:50:33: ...das war jetzt keine Idee von der Dramaturgie des Bruggeards oder von der Regie sondern das steht schon im Stück dass der König von einer Schauspielerin gespielt wird?
00:50:40: Ja.
00:50:40: War vorgesehen und da dachte ich Es ist doch schon gut, dass sich was bewegt weil sonst Ich finde das dann schon spannend, weil dadurch doch – natürlich wollen Sie jetzt nicht nur noch alte Männer spielen.
00:50:55: Trotzdem ist diese Begegnung gestern mit dieser Rolle spannend und das war vor Jahren noch nicht möglich?
00:51:00: Auf jeden Fall!
00:51:02: Auf
00:51:02: dem Fall
00:51:02: ist es dass ich meine, ich fand auch den Prospero, weil das sind einfach die wahnsinnigsten, tollen ... Theater-Sätze und dass man die jetzt auch als Frau sprechen darf, ist natürlich ein Vorteil.
00:51:17: Aber jeder Vorteil hat natürlich immer einen Nachteil.
00:51:20: Also es ist eigentlich nur ein Appell an die Autoren und Autorinnen zu schreiben.
00:51:26: Ja?
00:51:28: Und uns da ...
00:51:30: Da haben Sie völlig recht, weil wenn der moderne Feminismus dann wieder nur auf junge und schöne Frauen setzt, die jugendlich sexy sind, dann ist das nicht ... Das Ganze.
00:51:43: Nein, aber wir werden schon einen Weg finden?
00:51:46: Ja das denke ich mir und Sie haben ja auch... Da kommen wir gleich zu!
00:51:51: Ich meine, ich wollte gerade sagen sie haben ja selber die Möglichkeit seit vielen Jahren zu gestalten und wenn man so denkt wie sie und dass es so lange erlebt hat.
00:52:02: Aber bevor wir dazu kommen können wir doch noch mal auf die Heimwarngeschichte zurück wo wir abgebogen sind.
00:52:16: Und dann haben Sie geschrieben, dann begann eigentlich ... Da waren sie dreißig.
00:52:20: Dann begann die ihre glücklichste Theaterzeit mit Lilium aber auch ... Drei Kroschenoper Paulus Manker und Rud Berghaus Adolf Dresen.
00:52:32: Da kamen die ganzen DDR-Regisseurinnen nach Wien.
00:52:36: Genau!
00:52:36: Also auch mit Ruth Berghaus haben Sie eine schöne Arbeitserfahrung und zwar brecht den Kreidekreis.
00:52:41: Der Kaukasische
00:52:41: Kreidekreis, diese Geschichte die mich quasi zum Theater geholt hat – wie oft ich quasi sage, weil seit ich diesen König spiele?
00:52:50: Ja,
00:52:51: der Quasi-König!
00:52:53: Die mich dazu gebracht hat, diese Aufführungen in der Realschule Elsenfeld, Im Leben hätte ich nicht zu träumen gewagt, dass sich diese Rolle dann also nicht die Markt sondern die Grusche spielen werde.
00:53:09: am Wiener Burg Theater in einer Inszenierung von Ruth Berghaus.
00:53:15: Die Witwe von Herrn Dessau der die Musik dazu gemacht hat noch dazu es war die Zeit als das Schillertheater geschlossen wurde in Berlin Und Ruth Berghaus brachte einen jungen Schauspieler vom Schillertheater mit in diese Produktion.
00:53:37: Da sitzt er ja und wir haben uns quasi auf der Bühne verliebt, muss man sagen.
00:53:45: Deshalb ist das auch eine ganz besondere Erfahrung.
00:53:49: Im Text musste irgendwann immer sagen, dass der Hauptmann Chacha war.
00:53:54: Der Vater vom Kind bin ich.
00:53:57: Und als ich dann vange war und wir das Stück gespielt haben, haben die Kollegen immer sehr geschmunzelt bei dem Satz.
00:54:11: Ja, drei Kroschenoper war dann die erste Arbeit hier mit Paulis Manker ... Ich hab die drei Krosschenoper noch mal gespielt
00:54:17: in
00:54:17: Berlin mit Klaus-Maria Brandauer wegen dem ich ja zurückgekommen bin, um hier den Hamlet oder die Gerftrot im Hamlet zu spielen.
00:54:29: Und wir unsere Zelte in Berlin wieder abgebrochen haben.
00:54:32: also wir waren drei Jahre eben in Pankow und jetzt sind es schon wieder... ...fünfundzwanzig Jahre am Stück, die wir hier sind uns insgesamt ja.
00:54:44: Aber weil Sie sagen das war Ihre glücklichste Zeit was macht denn für Sie so eine glückliche Zeit an Theater aus?
00:54:50: Oder was ist denn glücklich machend?
00:54:54: glücklich machend, ich glaube das was wir suchen.
00:54:57: Was sie sagen dieses oder was viele sagen dieses geliebt werden wollen, dieses Gefühl von dass das unheimlich viel zurückkommt, unheimliche viel neu ist, dass diese Neugier so ausgeprägt und gestillt wird und unterbrochen.
00:55:17: Also auch die künstlerische Neugier, dass immer ... Absolut!
00:55:20: Absolut ja.
00:55:21: also was hatte man dafür?
00:55:23: Wunderbare tolle Begegnungen gerade auch Adolf Dresen der mich in der Operette Orfeus in der Unterwelt ich spielte die Königin der Jagd Lidiana Und Ich war schwanger Ja und er sagte Die kommt aus Frankfurt die Göttin der Jagd.
00:55:47: Ich konnte meinen Dialekt plötzlich wieder einbringen und dann durfte ich immer sagen, Iniziator.
00:56:19: Und kurze Zeit später habe ich eben in Reichenau, nachdem ich eine Rolle abgesagt hatte, sagte mir der damalige Intendant Peter Leudoldt dafür machst du mir nächstes Jahr eine Regie.
00:56:34: und ich sagte naja gut man kann es ja mal probieren was solls denn sein?
00:56:39: Und er sagte der Kirschgarten.
00:56:42: Also das wäre so wirklich nach den Sternen greifen, wäre eine Untertreibung ja.
00:56:48: Eine Starke!
00:56:49: Aber ich hatte halt wunderwunderbare Kollegen und Kolleginnen.
00:56:53: Es war im Prinzip die Sommerdependants des Burgtheaters.
00:56:58: Ich hatte Peter Martinsch, Martin Schwab, Kitty Speiser, Regina Fritz, Steffi Dvorak.
00:57:03: also bis auf Günther Franzmeier und Thomas Kamper war es eine komplette, komplette Burgtheaterbesetzung im Sommer.
00:57:16: Aber der wissen Sie noch oder haben sie nochmal mit Dresen gesprochen?
00:57:20: Wie wissen Sie was, weshalb er das gesagt hat oder weshalb man das erkannt hat?
00:57:24: oder was hat er denn gesehen?
00:57:25: Er hat mir
00:57:26: gesagt als er gesehen hat beim Spielen dass ich Dramatur gestenke, dass ich eine Rolle so anlegen kann, dass sich weiß wo sie hin muss Am Ende und das ist eine Voraussetzung für Regiführen.
00:57:39: Und das
00:57:41: hat er ... Ihrem Spiel, wie Sie auf Ihrem Spielen
00:57:43: angesehen haben?
00:57:43: Ja, auch was ich vorgeschlagen habe oder dass ...
00:57:47: Das war so, es ist so.
00:57:48: Also das haben Sie bevor diese Idee von Dresen auftauchte selber schon drüber nachgedacht?
00:57:55: Nein!
00:57:56: Ich hatte nicht wirklich drüber Nachgedacht.
00:57:58: also ich hab immer davon geträumt ein eigenes Ensemble zu haben Und innerhalb dieses Ensemble, das habe ich kennengelernt bei George Tabori.
00:58:10: Also da fand ich es immer so toll!
00:58:13: Der nannte es einen Kreis also einem Kreis von Menschen.
00:58:17: Einer ist halt zufällig wie beim Monopoly die Bank und ist damit Spieleiter oder so.
00:58:23: ja und hat die Regeln kennt ihr regeln aber die anderen spielen und man nimmt sich Nicht raus, sondern ist Teil dieser Unternehmung.
00:58:34: Dieser Reise dieses Projekts, dieses Spiels ja und das hat mich immer fasziniert.
00:58:41: Das wollte ich immer gerne haben.
00:58:43: Seitdem verfolgen Sie das Ziel also diesen Traum.
00:58:45: wenn sie sagen okay der Traum ist ihr erst mal ein eigenes Ensemble zu haben um es vielleicht auch anders zu machen als einige Intendanten Männer die sie erlebt haben?
00:58:56: Richtig!
00:58:57: Ja
00:58:58: Auf jeden Fall.
00:58:59: Und eine Arbeitssituation zu schaffen, die... Eine
00:59:02: Gleichberechtigung schafft, ja?
00:59:04: Die einen gleichzeitig ein geschützter Raum ist wo sich alle frei bewegen dürfen.
00:59:11: also und das heißt es jetzt auch eine Transparenz voraus Ja weil zeigen Sie mir den Schauspieler oder die Schauspillerin die auf die Bühne geht und schlecht sein will.
00:59:22: Das gibt es nicht!
00:59:24: Und deshalb ist doch jeder irgendwie bestrebt, eine Arbeit abzuliefern die gut ist und arbeitet daran.
00:59:33: Also deshalb muss man niemanden zwingend brechen im Wehtun.
00:59:38: Sie zitieren auch noch ein paar Geschichten so Sätze wie der Regisseur oder Intendanz sagt zur Schauspielerin, schauen sie nicht so tief in sich hinein?
00:59:45: Da is nichts!
00:59:49: Es war ja Gang und Gebe.
00:59:50: das kenne ich auch noch.
00:59:53: Auch an den Schulen gab es immer den Mythos, man muss die Leute erst brechen oder erst so verwunden und sie dann wieder neu zusammenbauen.
01:00:01: Dieser Glaube hielt sich ja hartnäckig!
01:00:03: Und wie Sie es gerade sagen?
01:00:04: Wer von den Schauspielern möchte schlecht sein?
01:00:07: Das ist ja Quatsch.
01:00:09: Eben.
01:00:09: Ja aber das ist ja lang genug.
01:00:12: erlebt und erfahren dass es so läuft mit solchen zerstörerischen Negativen setzen also negative Impulse.
01:00:20: Aber dann ist der Traum dem sie ja jetzt näher gekommen sind, beziehungsweise Sie ihn gestalten seit Zweiundzwanzig in der vierten Spielzeit.
01:00:32: Fünfte!
01:00:33: Auch schon ein kleines Jubiläum?
01:00:35: Ja!
01:00:35: Fünftes
01:00:35: Spielzeit, dann haben wir fünf Jahre Reichenau Maria Happel und wundert Jahre Rechenau als Gründungsmythos.
01:00:44: Jetzt muss ich trotzdem noch so ein paar Geschichten fragen bzw sagen weil ich finde es eine große Ironie irgendwie, weil das Verspieler Reichenau wurden ja sozusagen gegründet.
01:01:00: Also um ein Zuhause zu schaffen für die Exilanten aus der Burg und auch als Gegenbewegung gegen das Regiteater Von Klaus Peimann?
01:01:11: Dieses Theater gibt es mit den Hundert Jahren, das geht sich schon mal nicht aus.
01:01:15: Aber als Peimand nach Wien kam und Kirsten Dehne Gertfoss mitbrachte und seine Spielerinnen, auf die er erst einmal gesetzt hat sind viele der Kolleginnen und Kollegen zu kurz gekommen.
01:01:32: Das ist so ... Und haben sich überlegt, na gut wo könnten wir Theater spielen und uns zeigen?
01:01:40: Und unserem Publikum was bieten.
01:01:44: Da ist reichenau entstanden also mit Kallein Zackel und Robert Meyer und Kitty Speiser.
01:01:51: eben die haben da die ersten Aufführungen gespielt.
01:01:54: am Anfang waren das sechs Vorstellungen im Sommer Und dann ist das gewachsen und das Ehepaar Leudold hat sich quasi da drum gekümmert.
01:02:07: Und daraus sind diese Festspiele geworden, wo man dann im Laufe der Jahre das Südbahnhotel noch dazu bespielt hat oder mal den Talhof und eben aus Eigenmitteln sogar noch diesen neuen Spielraum bauen konnte.
01:02:25: Das ist passiert!
01:02:27: Und klar, also Paimon war kein Freund davon.
01:02:31: Weil er wollte dass die Schauspieler sich im Sommer ausruhen damit sie wieder voller Kraft im September einsteigen können.
01:02:39: umso mehr hat es mich mit Stolz erfüllt als er vor drei Jahren eben dann aufgetreten ist in Reichenau ja mit Peter Stein und Hermann Bayl und das so sich das komplett umgewandelt hat und er das sehr zu schätzen wusste.
01:02:59: Also könnte man jetzt eigentlich sagen, wir verdanken Reichenau-Klasspeymann!
01:03:05: So wie es jetzt im Moment ist ja...
01:03:07: Ja, ja, danke auch!
01:03:11: Und dann wollten die ihre Vorgänger, das habe ich gelesen, das fand ich lustig weil sie viel Enthusiasmus und Kraft reingesteckt haben.
01:03:20: Das wird geprägt.
01:03:21: Sie wollen das Beiräut des Sprechtheaters werden, die Verspieler Reichenau?
01:03:26: Ja.
01:03:26: Es war mal der Anspruch!
01:03:29: Der Anspruch habe ich...
01:03:31: Nein, wir sind sicherlich... Also was wir im Moment sind ja, das sage ich jetzt vielleicht ein bisschen größenwahnsinnig.
01:03:39: Bitte.
01:03:39: Aber das hab' ich von Brandauer gelernt gehört dazu.
01:03:48: Ich glaube nicht, dass es europaweit ein Festival gibt.
01:03:53: Dass es schafft im Sommer im Sprechtheater in einer Woche fünf Eigenproduktionen zu stemmen.
01:04:01: Das tun wir und das ist fantastisch und das kann man ruhig auch mal so sagen!
01:04:06: Ja ja ich habe es nochmal gesehen.
01:04:13: Fünf Prämieren in einer Woche.
01:04:15: Fünft prämieren?
01:04:16: Das ist ja logistisch organisatorisch.
01:04:20: Ist ja der Wahnsinn eigentlich.
01:04:22: Und wir sind nicht sehr viele in diesem Team.
01:04:25: Also Theresa Puls ist meine Rechte und meine linke Hand, dann haben wir noch fünf ... Weitere Frauen, die sich darum kümmern, dass im Sommer dieses Theater so funktioniert wie sie das erlebt haben in den letzten vier Jahren.
01:04:41: Aber dieses Jahr erleben werden.
01:04:43: also wir haben auch eine Bühnenmeisterin Wir haben ja keine Werkstätten, wir müssen alles im Vorfeld so konzipieren, dass am ersten Juli jede Schauspielerin ein ordentliches Kostümer naht und die Bühnendände nicht wackeln.
01:05:01: Da hat sich viel, viel bewegt und auch da sind wir.
01:05:04: Also ja, neunzig Prozent der Mitarbeiterinnen sind Frauen und das passt auch nochmal hier zum Muttertag her.
01:05:23: Aber Sie zum Beispiel weil sie jetzt so schön ich würde das gerne noch rüberziehen was Sie vorher gesagt haben Utopie.
01:05:31: Und jetzt sehen Sie ja eine UtopIE, wie viel Arbeit das macht und man muss dazu sagen dass sie dieses Jahr außer über die können wir noch reden einer szenischen Lesung keine Inszenierung machen.
01:05:42: also sie sehen sich jetzt in der Rolle als Intendantin ermöglichterinnen aber die künstlerisch quasi nicht zum zugekommen.
01:05:52: in Anführungsstrichen
01:05:54: Das tue ich schon Aber ich finde Ich bin auch eine Gastgeberin Und sehe es auch als meine Pflicht an Kolleginnen und Kollegen, die nicht so viel zu tun haben wie ich, die Tür aufzuhalten.
01:06:12: Ich bin da allzeit bereit – das ist auch ein Vorteil!
01:06:17: Ich bin eine berühmte Bekannte Einspringerin und deshalb federe ich das ab.
01:06:29: jemand krank wird oder ich weiß es nicht, war in den Bereichen noch.
01:06:33: die Kollegin Elisabeth Augustin stand im Stau.
01:06:37: Die Vorstellung konnte nicht beginnen und man hat mich aus dem Schwimmbad geholt und ich habe mit einem nassen Badeanzug mit dem Textbuch in der Hand die Rolle von Elisabet Augustin.
01:06:50: also das ist dann halt auch möglich ja und so bleibt es aber halt auch.
01:06:56: Und alles, was spielerisch ist, ist charmant.
01:07:00: Alles andere ist angespannt und verkrampft und
01:07:03: verklemmt.".
01:07:25: Was macht diesen Ort so aus, also diese Magie dieses Ortes?
01:07:29: Wo man Lust hat dann eine Utopie zu verwirklichen.
01:07:32: Naja es ist so dass wenn ich jetzt wieder über Geister rede aber das war dieses Gespür.
01:07:38: Also man macht automatisch eine Zeitreise.
01:07:42: Wenn man den Bahnhof in Peierbach dann ist die Architektur, die Landschaft sowieso an sich und dadurch dass es eine Kaiserresidenz war, ist man sofort in einer anderen Welt.
01:07:58: Es ist das Wort Sommerfrische bekommt eine neue Bedeutung weil es wirklich im Sommer sieben acht Grad kühler ist als hier in der Stadt die Künstler und Künstlerinen um die Jahrhundertwende inspiriert.
01:08:17: Und davon leben wir auch, also das Ziel, dass das wieder zu beleben, gehört auch zu diesem Konzept Reichenau-Sämmering.
01:08:30: Wir haben uns im meisten Wissen ein Haus gekauft vor sieben Jahren am Sämmerring nicht ahnend, dass der Theater uns verfolgen wird?
01:08:41: Okay.
01:08:42: Privat, also privat?
01:08:43: Ja und weil ich immer gesagt habe das ist so von hier aus, von Wien aus der nächste Ort wo man die Möglichkeit hat über den Dingen zu stehen und dass das ist nach wie vor so wenn ich kann.
01:08:57: also jede freie Minute verbringen wir da und dadurch hat sich dieser Ort nochmal also ist das auch noch mal eine zweite Heimat geworden.
01:09:08: aber es ist ja jetzt nicht ganz so was überraschendes ist, sehr etwas typisch Österreichisches gerne in die Vergangenheit zu schauen.
01:09:15: Ja aber ich denke immer das gehört zusammen.
01:09:18: also Tradition braucht man um innovativ zu sein ja und so ein Blick in die vergangenheit ist ja nicht das schlechteste.
01:09:26: um damit aber weiterzugehen.
01:09:29: Nein überhaupt nicht!
01:09:30: Ich wollte das gar nicht nur als österreichisches Phänomen beschreiben, gar nicht werten.
01:09:34: Das finde ich interessant weil es hat sich auch wahnsinnig viel Gutes.
01:09:38: Man beschäftigt sich mit A, man beschäftigt dich mit der eigenen Vergangenheit und B liegen dort ja auch ganz viele Schätze.
01:09:48: Also wir sagen mal das war die kreativste produktivste Zeit, die Jahrhundertwende, die zehn oder zwanziger Jahre.
01:09:57: Was war da versammelt?
01:10:00: Da muss man kann man nicht oft genug drauf schauen und dann war es aus wie wir wissen aus verschiedenen historischen Gründen auch vorbei damit.
01:10:12: Ja, aber die Geschichte ist uns geblieben und die Musik und die Architektur und davon kann man sich ja neu inspirieren lassen.
01:10:25: Unbedingt weil diese Wiener Moderne wirklich einzigartig ist.
01:10:30: also ich sehe im Programm das Skandal Das reichste Stück der Theatergeschichte, der Reigen ist programmiert.
01:10:41: Und da bin ich sehr gespannt ... Sie sagen selber, sie haben dafür ein Regie-Duo engagiert?
01:10:47: Das finde ich ja hochinteressant!
01:10:49: Ein Mann und eine Frau, also ich hab jetzt die Namen nicht.
01:10:51: Die auch noch ein Ehepaar sind.
01:10:54: Oh, weih!
01:10:57: Und dann sozusagen bei dem Reigen den männlichen Blick und den weiblichen Blick jeweils inszenieren
01:11:05: Ja, schauen wir mal drauf.
01:11:07: Wie viel sich verändert hat?
01:11:09: Wir legen ja auch die Fledermaus in den Roaring Twenties her.
01:11:13: also vor hundert Jahren wurde das Theater da draußen eben erstmals bespielt mit einer Operette nämlich mit der Fledermaus und das haben wir zum Anlass genommen Nils Strunk und Lukas Schrenk zu bitten die Regie zu übernehmen.
01:11:29: für eine neue Fledermeuse
01:11:32: ist aber dieses Grundgefühl Die Legende des heiligen Trinkers Josef Roth.
01:11:39: Krieg und Frieden, das ist toll!
01:11:40: Ja,
01:11:41: vierundzwanzig
01:11:43: Stunden aus dem Leben einer Frau, Stefan Zweig dann Arthur Schnitzler.
01:11:49: Es sind doch ... trotzdem hat man das Gefühl es ist so gestimmt auf Endzeiten?
01:11:53: Ich setze vielmehr auf Hoffnung als Übertitelung.
01:11:59: ja.
01:12:00: Das Stück heißt ja nicht Krieg Das heißt auch nicht Krieg und, sondern das heißt Krieg-und-Frieden.
01:12:06: Also es kommt darauf an wo man den Schwerpunkt hinsetzt, ja?
01:12:11: Josef Roth nachdem wir im letzten Jahr hierup gemacht haben und so die Kapuzinergruppe im Vorjahr hatten suchte ich nach einem Stück was diese Trilogie irgendwie verbindet, ja Und über Edith Piaf Und die Geschichte der heiligen Thérèse von Lisieux ... Ja.
01:12:37: hab ich ein Gespräch mit dem Kardinal geführt hier, der mir sagt, er ist sein Lieblingsstück oder sein ... Lieblungs-Novelle, sagen wir mal so, ist die Legende vom Heiligen Trinker in der ja auch die heilige Therese von Lisieu eine große Rolle spielt.
01:12:54: und so ist diese Idee entstanden erstens Mal die Arbeit mit Josef Lorenz weiterzuführen, der einen fantastischen Job uns im letzten Jahr geliefert hat.
01:13:07: Und das war das Stück wo es einfach geplickt hat und man gesagt hat ja und da hat Alexandra Liedke, die auch im letzten Job inszeniert hat eine fantastische Fassung geschrieben und auch das hat was mit Hoffnung zu tun
01:13:26: Unbedingt.
01:13:28: Ich kenne die Novelle ganz gut, sie gibt sehr viel Hoffnung, wobei das bei Josef Roth auch wirklich öfter der Fall ist und es liegt an seiner Liebe zu den Menschen, die rauskommen aus seinen Texten.
01:13:41: also ich finde Joseph Roth gehört da unweigerlich dazu.
01:13:46: Sie machen ja auch noch eine ganz spannende Lesung einen ganz neuen erschienenen Roman über ein dunkles Kapitel Reichenauß Martin Prinz die letzten Tage.
01:13:59: Ja, ich habe das Buch gelesen von Martin Prinze was mich wahnsinnig aufgewühlt hat.
01:14:07: also er beschreibt über die letzten tage april fünfundvierzig und es spielt eben in diesem gebiet da draußen zwischen rachs und höllen tal wo sie einfach in diesen letzten Tagen noch ein Standgericht aus dem Boden gestampft haben.
01:14:24: Überall wusste man schon, der Krieg ist verloren es ist vorbei.
01:14:27: aber da hat man noch festgehalten und hat in den letzten Tagen acht Frauen erschossen weil sie ungerischen Flüchtlingen ein Stück Brot gereicht haben oder aus den unterschiedlichsten Gründen.
01:14:42: darunter waren eben die Weißnicks-Schwestern aus dem Schloss Weißniks.
01:14:49: Wir spielen ja, unser Theater ist in der Weißnix-Mühle.
01:14:54: Das war damals eine Holzmühle, der Besitzer Herr Weißniks und dessen Tochter.
01:15:02: Die Tochter des Unternehmens war Olga Weissnix.
01:15:05: Und Olga Weisnix war nachweislich die ... Freundin von Arthur Schmitzler.
01:15:10: Also auch da schließt sich so ein Reigen und ich halte es für meine Verpflichtung, diese Lesungen, dieses zähnische Lesung die bestückt ist von allen Kolleginnen und Kollegen, die sich freiwillig dazu gemeldet haben.
01:15:25: also das ist eine Produktion, die ein bisschen außen vorsteht, also da gibt es keine Gage.
01:15:33: aber sie fühlen sich alle wie ich verpflichtet dass dort auf die Bühne zu bringen und das finde ich auch wirklich wunderbar, dass sich alle gemeldet haben bis auf die, die oben am Sämmering spielen.
01:15:47: Die können aus logistischen Gründen nicht teilnehmen aber alle anderen werden das tun.
01:15:53: Ja ein wahnsinnig tolles Programm und vor allem auch wir können ja alle unsere Lieblings-Schauspielerinnen und Schauspielern sehen.
01:15:59: sie haben ja wirklich toll gesetzt und gecastet.
01:16:04: Sie kommen alle gerne daraus im Sommer um an dieser Utopie teilzuhaben.
01:16:09: Ich habe nichts Gegenteiliges gehört.
01:16:12: Nein, aber ich wollte das jetzt eher noch mal darauf hin, dass man dann an der Utopie teilhaben kann in der Sommerfrischen Proben aufführen,
01:16:19: Gespräche
01:16:20: führen ...
01:16:21: Ja, das ist für alle Beteiligten eine tolle Situation auch wie die Kolleginnen und Kollegen mit ... Die Konstellation gibt es ja in dieser Form in der Stadt nicht also sich das mischt.
01:16:34: Volkstheater, Josefstadt, Burgtheater.
01:16:36: Freie Szene, Film!
01:16:38: Das hat man halt nur da im Sommer und aber dann auch geballt.
01:16:43: Alle wissen worauf sie sich einlassen, einen Monat auf dem Lande.
01:16:48: Und die meisten Verbinden es einfach mit einer Sommervrische mieten sich da ein, sind dann da draußen... Es ist einfach immer ein Fest.
01:16:59: in den letzten Jahren war's wirklich so ... dass man schwer Abschied genommen hat.
01:17:07: Ja, in diesem Sinne wünsche ich Ihnen dort einen ganz tollen Sommer in der Sommerfrische!
01:17:15: Wir haben ein Ritual hier in unserem Gespräch.
01:17:21: Das besteht darin das wir für unsere Gäste im Archiv schauen was es gibt und unseren Gast bitten vielleicht etwas fürs Archiv mitzubringen, unsere Gäste kennen das.
01:17:33: Jetzt habe ich gesehen in ihrem Buch Sie haben ja wirklich ein großes Fotoarchiv gibt ja viele Fotos.
01:17:40: also sicherlich können wir Ihnen da nichts Neues bringen.
01:17:47: aber in der Recherche zu Ihrer Biografie und zu Ihrem Weg haben wir doch etwas glaube Ich was Schönes gefunden.
01:17:54: als Erinnerung an diese schöne Gespräch Aber an Ihr allererstes Engagement an der Burg gab es diese schönen Premierenzettel und das ist ihre ersten Produktion, ihre ersten Premiere.
01:18:14: Die Stunde da wir nichts voneinander wussten von Peter Handke in Szenierung Klaus-Peimann.
01:18:22: Freut mich wahnsinnig.
01:18:23: ein Stück ohne Text!
01:18:34: Und ihr Debüt am Burgtheater?
01:18:36: Mein Debüt... also ja am Burgtheater.
01:18:40: Es war eine Festwochenproduktion und die Uraufführung fand im Theater an der Wien statt, und ging dann ins Burgtheaters.
01:18:48: Das ist richtig ja!
01:18:50: Ja das war eine Teststrecke von Herrn Paimann.
01:18:53: da hat er mich getestet und danach hatte er gesagt ich würde sie gerne engagieren weil Sie keine Angst haben.
01:19:03: Ich hatte sehr viel Angst ich habe es nur nicht gezeigt.
01:19:05: also dass ist mein Trick geblieben bis heute.
01:19:09: Ja, ich habe Ihnen natürlich auch etwas mitgebracht.
01:19:12: Das passt jetzt sehr gut dazu.
01:19:15: Mit Peimann hat mich natürlich eine ... Ich hab ihm viel zu verdanken und ich durfte über zwölf Jahre an seiner Seite von Hermann Beil spielen.
01:19:32: Klaus-Peimann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen!
01:19:36: In dieser Vorstellung, also wir waren zu dritt ab und eben das berühmte Schnitzel.
01:19:41: Das in jeder Vorstellung auch mitspielte deshalb kam es zu dem Titel des Schnitzels ist umgesetzt.
01:19:47: Zwölf Jahre haben wir das gespielt in allen möglichen Orten in Brüssel und ich weiß nicht wer sind gereist weil den beiden Text von Thomas Bernhard so wichtig war.
01:19:59: Also erstens mal absurd dass man ein Stück heißt Klaus Paimann und Hermann Beil auf der Sulzwiese Und man ist auf der Bühne, auf der Sulzwiese mit Klaus Peimann und Hermann Beil.
01:20:10: Wo gibt's denn so was?
01:20:12: Das ist schon an Absurdität nicht zu überbieten.
01:20:17: Und das war wirklich eine tolle Zeit diese beiden wirklich Theater-Menschen begleiten zu dürfen.
01:20:25: Weil jedes Wort so wichtig war, gab es diese Zusatzfigur ... Dirigentin oder eine Zuflöse, oder an der Seite saß und alle Regieanweisungen und Texte von Thomas Bernhard gelesen hat.
01:20:44: Und dieses Textbuch habe ich Ihnen mitgebracht und finde das gehört ins Museum.
01:21:06: Das ist ja toll!
01:21:09: Wie das Regiebuch mit den Einträgen, Buchum und Musikdirektionszimmern im Schauspielhaus.
01:21:16: Oh wow!
01:21:18: Und aus dem haben Sie jetzt zwölf Jahre?
01:21:21: Ja mindestens.
01:21:22: Gelesend diese...
01:21:24: sieht man auch ein bisschen.
01:21:26: es
01:21:26: ist.
01:21:27: Das sieht man nicht, das ist wahnsinnig...
01:21:30: Ich habe das immer abgegeben in der Requisite und dann immer wieder geholt.
01:21:35: aber bei der letzten Vorstellung durfte ich's mitnehmen.
01:21:39: Was man auch sieht, es ist nicht gebunden.
01:21:43: Weil das wird ja nicht gehen und das macht man nämlich ungebunden.
01:21:46: Richtig!
01:21:48: Toll!
01:21:49: Fantastisch.
01:21:50: also das Museum... Das ist ja nicht für mich, sondern fürs Museum.
01:21:52: Das Museum wird sich sehr freuen, denke ich mir.
01:21:57: Fein.
01:21:57: Das ist ganz toll.
01:21:59: Dann sollten wir's vorher noch mal lesen.
01:22:04: Frau Happel?
01:22:05: Ja.
01:22:06: Wollen wir noch was sagen?
01:22:08: Wir wünschen noch einen schönen Sonntag.
01:22:10: Sonnensontag, Muttertag.
01:22:12: lassen Sie sich verwöhnen von Ihren Töchtern.
01:22:16: Vielleicht noch den Bogen?
01:22:18: Weil die Rolle von gestern Abend ja sich um die Nachfolge bemüht, Ihre Nachfolgen persönlich haben sie geklärt.
01:22:25: Ihre Tochter ist auch eine erfolgreiche Schauspielerin und Sängerin im Moment am Volkstheater.
01:22:33: Aula Noca, eine ganz ... Tolle, junge Begabte.
01:22:37: Und singt auch viel!
01:22:38: Ich hab sie auch an der Volksoper gesehen.
01:22:40: Genau.
01:22:42: Sie hat gerade dort Spring Awakening ...
01:22:46: Hab ich gesehen?
01:22:46: Ja, gespielt und gesungen.
01:22:51: Jetzt macht sich eine Festwochenproduktion im Volkstheater.
01:22:54: Das heißt wir sprechen heute mit einer glücklichen Mutter.
01:22:58: Die andere Tochter ist nicht da, die sind auf Sakintos.
01:23:05: Ein verlängertes Wochenende genommen, aber mit Genehmigung der Mutter und hat auch schon Fotos geschickt.
01:23:12: Und mit einem kleinen Taschengeld der Mutter.
01:23:17: Aber sie ist auf der anderen Seite ... Sie ist im Ticket-Ding.
01:23:20: Sie verkauft unsere Karten also wenn sie da auch Nocker am Telefon.
01:23:24: Sie ist zuständig für die Tonkünstler und für Grafenegg.
01:23:28: Ah okay!
01:23:29: Ja.
01:23:29: Und hilft im Sommer in...
01:23:31: Da hilft sie uns
01:23:32: aus.
01:23:32: Die ganze Familie muss halt sein.
01:23:34: so das denke ich mir dass Hilfe nötig ist.
01:23:37: Ich
01:23:37: bin so groß geworden, ja!
01:23:40: Vierzigtausend Karten sind aufgelegt?
01:23:42: Ja Das muss man in fünf Wochen spielt aber nicht mal vier und ein halb, fünf Wochen.
01:23:46: Fünf Wochen, ja.
01:23:48: Also ich wünsche Ihnen einen ganz, ganz erfolgreiches Festival.
01:23:52: Wir werden kommen wir werden auf jeden Fall kommen uns was anschauen Wünschen dazu alles, alles Gute.
01:24:00: Vielen Dank, dass Sie hier waren.
01:24:01: Ich danke Ihnen allen.
01:24:19: Sie hörten ungeschminkt.
01:24:21: Das Theater-Museum Wien im Gespräch, Folge neun.
01:24:27: Maria Happel im Gesprich mit Hannes Hametner.
01:24:30: eine Aufzeichnung des Livegesprächs vom zehnten Mai.
01:24:36: Unsere nächsten Livegäste im Eruika-Saal des Theatermuseums am siebten Juni, die Autoren und Dramatikerin Lydia Haider sowie der Autor und Dramaticer Ferdinand Schmalz sind wie immer über das Theatermuseum Wien zu erhalten.
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