Ungeschminkt #12 mit Michael Maertens

Shownotes

Eine Produktion vom Theatermuseum Wien

Redaktion und Moderation: Hannes Hametner

Foto: Tommy Hetzel

Aufnahme: Karl Horky (HORKYevent.at)

Sounddesign, Schnitt & Mastering: Benjamin Ritter

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00:00:00: Ich habe sozusagen als Hamburger mich hier so in Wien eingeschmuggelt und bin hier geradezu aufdringlich präsent.

00:00:09: Ich war eigentlich mein Leben lang auf der Flucht, das war dann Hamburg, dann gab es Berlin, dann bin ich nach München, da war ich im Buch um, dann war ich in Zürich, dann wieder in Berlin, weil immer eigentlich sobald man anfing, mich kennenzulernen, war ich schon wieder weg.

00:00:22: Manche sagen mir eine gewisse Maniriertheit nach oder eine gewiss Exaltiertheit.

00:00:27: Oder ich gelte jetzt ja nicht als sehr innerlicher psychologischer Schauspieler und das kann sein, dass sich dann ein bisschen von Alexander Langen der mich ein bisschen geprägt hat und eben dann Jürgen Gosch einen ganz fantastischen Regisseur damals gewesen mit dem ich unglaublich viel gearbeitet habe Und dann kam noch Benne Besson und Thomas Langhoff dazu.

00:00:46: Manchmal überlege ich mir tatsächlich im Kopf eher, wie könnte so eine Figur?

00:00:50: Wie könnte die sich bewegen.

00:00:52: Also ich gehe relativ formal an so eine Sache ran und versuche sie dann später emotional zu füllen und meinen Herz und mein Bauch damit in die Waagschale zu legen.

00:01:02: Früher war ich so doof und habe geguckt, wie oft kommt der vor?

00:01:07: Weil ich manchmal auch zu doof war, weil ich die Stücke gar nicht kannte!

00:01:10: Da bin ich sozusagen nach Masse gegangen.

00:01:12: Dann dachte ich, aha!

00:01:13: Der hat am meisten Worte scheint eine gute Rolle zu sein.

00:01:17: Es ist wirklich ein Quälen des Universums auch Weil wir natürlich... man glaubt das immer nicht auch bei mir.

00:01:24: Man will ja schon irgendwas vollenden oder man will es wirklich so gut wie möglich machen Für einen selber aber auch für die da unten und für alle.

00:01:32: Und man isst bei Shakespeare zum Scheitern verurteilt Und das macht mich mal so ein bisschen skeptisch.

00:01:40: Eigentlich sogar die tollsten Schauspieler, die ich kenne sind in meiner Wahrnehmung nicht dumm aber ein bisschen ... ja sagen wir mal begrenzt und da zähle ich mich eindeutig dazu.

00:01:56: Willkommen zu Ungeschminkt.

00:01:57: – Das Theatermuseum Wien im Gespräch.

00:02:02: Ein Live-Podcast aus dem Eroikasaal im Palais Lobkowitz.

00:02:08: Das Theatermuseum ist das Gedächtnis der flüchtigen Theaterkunst.

00:02:12: Wir halten den Flüchtigen Augenblick im Gespräch fest!

00:02:16: Unser heutiger Gast ist der Schauspieler

00:02:19: Michael Mertens.

00:02:31: Ich begrüße Sie sehr herzlich, ich begrüse Sie, Michael Mertenz.

00:02:36: Ich freue mich sehr dass sie heute unser Gast sind.

00:02:40: Sie sind nichts sehr dafür bekannt, dass sie jetzt so öffentlich viel von sich geben, sondern der Öffentlichkeit.

00:02:48: Sie sind eher zurückhaltend finde ich und...

00:02:51: Ich werde so selten gefragt!

00:02:54: Ich bin überhaupt nicht zurückhaltende.

00:02:57: Ich habe ja mal den Jedermann gespielt für ein Jahr und da wurde ganz viel Interview.

00:03:01: das hat mir wahnsinnig Spaß gebracht.

00:03:02: Das hat dann leider abrupp wieder geendet.

00:03:06: Na dann wird es ja höchste Zeit dass sie hier bei uns sind.

00:03:14: wir hatten das damals mit Stefan Zweig so ein bisschen gesagt, wir schaffen einen Ort für die Theatromanie der Wiener und dann haben wir hier ein Gesprächsort etabliert um zu sprechen.

00:03:28: Aber Sie haben gesagt Schauspieler sind privat scheu, introvertiert und zurückhaltend.

00:03:35: auch ich Die Bühne ist ein Ort des Verbergens.

00:03:39: Wir verstecken uns in Kostümen Masken und Rollen habe ich gelesen.

00:03:45: Ich wollte das nicht für allgemein, also es gibt natürlich auch sehr extrovertierte Schauspieler.

00:03:49: Das gibt es auch und ich kenne viele und ich gehöre zu denen die jetzt wenn sie nicht auf der Bühne stehen unbedingt auf den Tischen tanzen oder immer sofort als erstes das Wort ergreifen oder so.

00:04:05: und tatsächlich habe ich festgestellt dass für mich die Bühner auch ein Ort des Versteckens

00:04:09: ist

00:04:10: weil ich sozusagen mich hinter einer Rolle mit Hilfe eines Kostüms und einer Maske, einer Aufführung oder auch Kollegen verstecken kann.

00:04:21: Ich hatte so mal eine Zeit – das hatten wir ja fast alle heutzutage haben, dass fast auch alle Kinder – es gab mir eine Zeit, wo ich ein bisschen von Panikattacken verfolgt wurde.

00:04:29: Das war in meinen Mitzwanziger- und Endzwanzigerjahren.

00:04:33: Und da war ich.

00:04:34: der einzige Ort, wo mich diese Panikattacken nicht ereilt hatten, war die Bühne.

00:04:38: Ah!

00:04:38: Das ist sehr interessant.

00:04:40: Ja.

00:04:40: Das liegt aber wahrscheinlich daran die Bühne sozusagen ja auch durch ihr Elternhaus und ihr Großelternhaus, auch Anteil des Zuhauses war.

00:04:52: Es ist vielleicht in Österreich oder in Wien nicht so bekannt.

00:04:56: In Hamburg wäre das anders?

00:04:58: Ja, in Hamburg.

00:04:59: Das kennt man meine Familie.

00:05:01: Mein Großvater wurde direkt nach dem Krieg von den britischen alliierten Gebeten intendant.

00:05:09: destablierte er, dass zu werden weil er sich sehr gut verhalten hat und zum Teil z.B.

00:05:17: unter anderem seine jüdische Frau eigentlich das Leben gerettet hat, und überhaupt sich sehr gut Verhalten hat.

00:05:22: Und dann wurde er gebeten Intendant zu werden und war dann, glaube ich ... also ... umfünfzig, fünfzig, fünfundsechzig.

00:05:31: Also er war fast vierundzwanzig Jahre Intendante des Talierteaters ein sehr berühmtes Theater in Hamburg, ein wunderschönes Theater Und hat das auch sehr geprägt und hat es eigentlich zu einem der erfolgreichsten Theater Deutschlands gemacht.

00:05:45: Dazu muss ich ganz kurz sagen, da sieht man schon so eine Art Vorbestimmung.

00:05:48: Mein Großvater Willy Mertens, der Intendant ... Der hat wahnsinnig gerne Jubiläen gefeiert.

00:05:53: Er hatte jedes Jubileum, der hat sich gerne selbst gefeuert.

00:05:58: War ein wunderbarer Mensch auch ein toller Arbeitgeber und eigentlich auch Bescheiden aber er liebte es sich zu feiern.

00:06:04: Und unter anderem hat er aus seinem siebzigsten Geburtstag auf der Bühne gefeihrt.

00:06:08: da mussten immer alle dann irgendwelche Reden halten Und an seinem siebzigsten Geburtstag, am dreißigsten Oktober neunsterdreilundsechzig kam auf einmal der Chef der Technik.

00:06:18: Der Bühnenchef der Techniker auf die Bühne und sagte Willi ganz kurz ich muss unterbrechen, hör mal!

00:06:23: Und dann kam ein Babyschrei.

00:06:26: Auf der wurde eingeblendet also über Ton und dann hat er technisch gesagt in diesem Moment ist dein Enkel Michael Nertens geboren.

00:06:34: das war geil.

00:06:41: Also in der ersten Minute meines Lebens habe ich schon auf der Bühne geschrien.

00:06:47: Aber wenn man... Ich hab das tatsächlich, weil mich hat das fasziniert.

00:06:52: ihr Vater also ihr Großvater war der Willi?

00:06:57: Ja

00:06:58: Schon aber Schauspieler dort seit?

00:07:00: Ja,

00:07:00: ja.

00:07:02: Der war so wie ich Schauspieler.

00:07:03: Aber

00:07:03: der war neunterkommeliant

00:07:05: und war wahnsinnig beliebt.

00:07:07: Der sah schon als siebzehnjähriger aus wie ein alter Mann und hatte auch ganz wenig Haare.

00:07:14: sehr früh und spielte ... Da gab es damals noch den Jugendlichen Liebhaarbauen.

00:07:19: Er war der Komiker.

00:07:23: Ich weiß, da gab es auch einen

00:07:26: Rollenfach-Bezeichnung.

00:07:29: Da war er schon unglaublich beliebt.

00:07:33: in den Dreißigerjahren und solange die Spielen konnten in Hamburg hatte sich eine gewisse Prominenz erobert war er dann Schauspieler und Intendant.

00:07:46: Hat sich auch selbst der gerne sehr schöne Rollen gegeben als Intendante, das hat er schon gemacht!

00:07:53: Und ihr Vater Peter Mertens?

00:07:55: War ja dann auch lange Zeit als Schauspieler am Talier Theater

00:08:00: eigentlich fast sein ganzes Leben.

00:08:02: also da gab es seinen Vater.

00:08:04: mein Großvater Willi hat zu meinem Vater Peter gesagt so bevor du jetzt bevor ich dich engagieren musst du woanders hingehen.

00:08:11: Und da ging er nach Göttingen zu einem wunderbaren Menschen, der hieß Heinz Hilpert.

00:08:19: Den kennt man auch in Berlin.

00:08:20: Der war auch mal Chef des deutschen Theateres, glaub ich und der war dann nach dem Krieg komischerweise Intendante in Götthingen.

00:08:26: Das war damals ein sehr berühmtes Theater und da hat mein Vater angefangen.

00:08:29: Nach zwei Jahren hat es aber meinen Großvater nicht mehr ausgehalten und hat seinen eigenen Sohn engagiert.

00:08:35: Und das war auf der einen Seite für mein Vater toll Auf der anderen Seite war das auch schwierig, glaube ich.

00:08:44: Solange mein Großvater lebte hat mein Vater riesige Rollen gespielt und war so auch der Held, ein sehr schöner Mann.

00:08:50: Aber als dann mein Großväter starb gab es eine Phase, dann kam ja neue Intendanten und dann gab's auch ne Phase mit meinem Vater.

00:08:58: eigentlich durch ... Das waren nicht so gute Zeiten, er hatte auf einmal kleinere Rollen geschmiert, stand halt, hatte nicht mehr den Schutz seines Vaters.

00:09:08: Wahrscheinlich, das hat er uns später im Alter erzählt.

00:09:10: War ein Fehler, dass er so lange in Hamburg geblieben ist?

00:09:13: Er hätte eigentlich in die Welt ziehen müssen.

00:09:14: Es hat aber nicht gemacht, weil er auch dann früh schon drei Kinder bekam unter anderem mich und so blieb er eigentlich sein ganzes Leben am Talierteater.

00:09:22: Hat da noch mal eine tolle Alterskarriere gemacht.

00:09:24: Weil er war besessen von dem Beruf und konnte nicht aufhören zu spielen.

00:09:30: und hab wirklich bis neunundachtzig ... Also als neun-undachtzigjähriger Humpelte er noch über irgendeine Bühne zu unserem Leidwesen, weil das für uns natürlich auf eine Art schön und rührend aber auch immer mit sehr viel Angst verbunden war.

00:09:45: Diesem dann doch schon etwas gebrechlichen Mann da oben auf der Bühnen zu sehen?

00:09:49: Wir hatten hier in dieser Gesprächsrunde ... kamen wir kurz auf ihn zu sprechen.

00:09:55: Wissen Sie wer?

00:09:57: Ja, für Ihren Vater?

00:10:00: Maria Happel!

00:10:03: Sehr gut von ihm geredet, weil er war auch ihr Lehrer.

00:10:07: Sie hat bei ihm gelernt.

00:10:09: Ja

00:10:09: Maria Hatel ist die Schülerin meines Vaters.

00:10:12: Das finde ich gut.

00:10:12: Maria Hatels

00:10:13: Karriere haben wir meinem Vater

00:10:15: zuviel da.

00:10:15: Na das ist ja

00:10:17: großartig!

00:10:18: Wir wollen jetzt aber nicht so sehr über ihren Vater reden.

00:10:23: Ich habe trotzdem noch eine Frage zur Familie.

00:10:25: Ihre Großmutter Charlotte Kramm Jüdin und hatte, wie das damals üblich war, schlimmerweise in der Zeit des Nationalsozialismus von thirty-fünf bis fünfundvierzig Auftrittsverbot.

00:10:40: Ja was aber ein...

00:10:43: Und ist – das habe ich jetzt nachgelesen – die Judenverfolgung deswegen überleben konnte weil der befreundete Präsident der Reichstheaterkammer die arische Abstammung auf der Karteikarte vermerkt hat mit bereits erledigt?

00:10:59: steht hier?

00:10:59: Ja,

00:11:00: und zwar gibt es aber eine kleine Geschichte.

00:11:02: Ich versuche sie schnell zu erzählen.

00:11:04: die Eltern meiner jüdischen Großmutter waren Ärzte in Berlin und das war eine große Liebesgeschichte.

00:11:12: Die haben sich aber einmal scheiden lassen haben dann aber drei Jahre später wieder geheiratet.

00:11:17: Und in diesen drei Jahren hatte die Mutter meiner Großmütter also meine Ur-Großmutter ein Verhältnis mit einem preußischem Offizier.

00:11:25: Und dann kamen alle auf die Idee, lass uns doch versuchen zu beweisen.

00:11:30: Das Charlotte, meine Großmutter das Kind von diesem preußischen Offizier ist.

00:11:35: und dann wurde der Kopf vermessen oder wurde dann geschummelt und befreundet.

00:11:38: er Erzang sei ja eindeutig der preußische Offiziere und so wurde dann auf einmal unterschrieben ganz schnell sie isst halbbe Güden und dass hat ihr das Leben gerettet.

00:11:47: dieser präußische offizie war überhaupt nicht Ihr Vater aber das war sozusagen ein Ein toller Schachzug von befreundeten Menschen und dadurch gab es dann nur Berufsverbot.

00:12:00: Das hat ihr das Leben gerettet, diese

00:12:03: Geschichte.".

00:12:04: Und denn ist es ja nicht ergangen wie all den anderen?

00:12:06: Die Großeltern haben zusammengehalten die blieben verheiratet?

00:12:09: Ja

00:12:11: ich meine das gar nicht wertend aber es gab natürlich sehr viele in Anführungsstrichen arische Schauspieler die ihre jüdischen Frauen verlassen.

00:12:20: haben sie hier Heinz Rühmann und mehrere, weil das halt schwer war das Leben.

00:12:26: Das hat mein Großvater unter anderem ihm nicht gemacht und er hatte ein tolles Versteck für Sie auch eine Zeit lang gefunden.

00:12:34: in dem Verstecken war auch meinen Vater eine Zeitlang der dann sozusagen nach jüdischem Gesetz nur noch Vierteljude war.

00:12:42: und lauter so absurde Sachen.

00:12:44: aber eigentlich eine fantastische Geschichte.

00:12:48: Und laubliche Geschichte auch noch, meine Großmutter war eine typische jüdische Mama die mein Vater immer wahnsinnig beschützt und betetschelt hat.

00:12:56: Und ihm wahnsinnige gepflegt hat.

00:13:02: Die wollten auch nie, dass mein Vater ... Irgendwelches Leid erfährt.

00:13:06: und so wurde dann irgendwann behauptet, ja deine deine Großeltern sind jetzt gestorben.

00:13:10: Ganz viel später da war mein Vater schon sechzig hat er von einem entfernten jüdischem Fetter der mittlerweile in Amerika erfahren dass diese beiden Großelter sich kurz vor der Deportation umgebracht haben.

00:13:22: also seine Großelters waren Ärzte und die haben sich ich glaube forty-two haben sie sich vergiftet.

00:13:30: das hat aber erst als sechszigjähriger Mann erfahren.

00:13:33: okay Ja, und Sie haben sie aber noch... Ich habe es gelesen.

00:13:37: Sie hat ja noch bis einen Tag vor Ihrem Tod gespielt auf der Bühne des Taliertheaters, das ist ein Seventies oder bin ich?

00:13:44: Also Sie kennen Ihre Großmutter noch, Sie sind noch bei dir?

00:13:48: Nein,

00:13:48: also ich hab minimale Erinnerungen an meinen Großvater.

00:13:51: Das sind aber eigentlich mehr so Gerüche.

00:13:53: die haben in einem tollen Altbau gewohnt Und ich kann mich noch an dieses Treppenhaus.

00:13:57: Also mein Großvater, da weiß ich auch nicht ganz genau, ob was ich mir da einbilde.

00:14:00: An meiner großen Mutter kann ich mich ein bisschen erinnern.

00:14:03: Die kamen auch manchmal zu uns nach Hause und hat meine Mutter geholfen aufzuräumen und solche Sachen.

00:14:08: Und an die kann ich noch erinnernd werden.

00:14:09: bei Eindruckende dann damals schon etwas dickere Frau ziemlich streng und die hat mich irgendwie tief beeindruckt.

00:14:19: Und dann ihr beiden Geschwister sind ja auch Schauspieler?

00:14:25: Wir haben das vorhin... Ich habe ausgerechnet, dass Sie jetzt Ihre neununddreißigste Spielzeit beginnen und Sie haben mich korrigiert und sagen nein.

00:14:36: Es ist die viertigste Spielzeit!

00:14:40: Da können wir gleich nochmal... das ist wirklich wahnsinnig weil Ihr Schauspielerleben so reichhaltig ist.

00:14:47: Jetzt waren wir bei der Familie und sie sind dann ... wollten sie dann weg aus Hamburg?

00:14:55: Aus dieser Dynastie,

00:14:57: äh ... Genau.

00:14:59: Ich erst mal wollte ich gar nicht weg, sondern ich hab's schon vor dem Abitur versucht in Hamburg auf die Schauspielschule zu kommen.

00:15:05: Die haben aber völlig unbegabt, viel unbeгabter als der Vater, der auch schon unbegarb.

00:15:12: Und dann bin ich empört, nach Berlin gefahren.

00:15:15: Da wurde ich auch nicht angenommen worden und hab Abitur gemacht.

00:15:19: Dann bin ich in München auf die Schauspielschule gekommen.

00:15:23: Beim dritten Versuch hat es geklappt.

00:15:26: Und ... dann war's tatsächlich so, dass ich als die Schule zu Ende war, mir gesagt habe, du wirst überall hingehen aber nicht nach Hamburg.

00:15:37: Das geht nicht, da kennt man dich.

00:15:40: Nach, wie sagt man?

00:15:43: Wetterwirtschaft

00:15:45: oder Familie.

00:15:47: Und dann war es aber so, dass ich eigentlich überhaupt kein Angebot bekam ... Alle anderen, meine Kollegen hatten schon irgendwelche Engagements irgendwo.

00:15:57: Ich bekam wirklich überhaupt kein Angebot.

00:15:59: bis dann.

00:15:59: eines Tages stand mein Name da in der Schauspielschule auf der Tafel.

00:16:03: das bedeutete weil es gibt Neuigkeiten.

00:16:05: und dann ging ich da ins Sekretariat und da war er gesagt Michi wir haben mal ein Angebot für dich.

00:16:10: was denn ja?

00:16:11: Der gestiefelte Kater in Koburg.

00:16:14: Das war mein erstes Rollenangebot.

00:16:17: Und ich war, ja okay, Koburg, wo liebt das?

00:16:21: Ja, das ist irgendwo in Bayern gut nicht in Hamburg.

00:16:25: Dann fing es schon an mich innerlich damit abzufinden, dass sich den gestiefelten Kater spielen muss.

00:16:29: Meine Mutter begeistert, das wird der schönste gestieferte Kater der Welt!

00:16:33: Ich seh dich schon mit den Stiefeln und so, ich freue mich und so ... Ich war aber noch nicht ganz überzeugt.

00:16:38: Ein paar Tage später stand aber mein Name wieder auf dieser Tafel.

00:16:43: ein Angebot.

00:16:44: Und dann kam einen Regisseur, den Sie glaube ich kennen Alexander Lang und der hat gesagt Ich würde noch mal gerne in Herrn Mertens sehen und da hatte er sich stellen sich auf die Bühne und er saß alleine da unten und hat jetzt breiten sie immer die Arme aus und kommen langsam auf mich zu und das habe ich so gemacht.

00:17:00: und dann meint er gut sie sind engagiert und es ist toll was du gar nicht was ich gemacht haben.

00:17:06: also nicht der geschiefe dekater innerlich ja.

00:17:08: Und wo geht's denn hin?

00:17:10: Ja, Sie spielen den Klavigo.

00:17:11: Was?!

00:17:12: Ja!

00:17:12: Den Klavigoo von Goethe – die Hauptrolle.

00:17:14: Das gibt es ja nicht.

00:17:15: Wo denn?

00:17:16: Am Taliertheater in Hamburg.

00:17:21: Dann habe ich gesagt, das wäre bei aller Liebe ... Das kann ich nicht machen.

00:17:25: Also sie sind verrückt, das müssten Sie machen.

00:17:26: so ein Angebot werden Sie nie wieder bekommen.

00:17:29: Dann hab' ich gesagt Nein, das mache ich nicht.

00:17:31: Das geht nicht.

00:17:33: Zwei Tage später riecht mich Jürgen Flimm, den kennt man hier vielleicht noch.

00:17:37: Der war damals Intendant am Teiliertheater an und den kannte ich schon als kleiner Junge.

00:17:41: Und der sah mal, bist du verrückt geworden?

00:17:43: Du hast noch nicht alle Tasten in Schrammen!

00:17:45: Du steigst jetzt sofort in den Zug und kommst dir her, ich engagiere

00:17:48: dich.".

00:17:51: Vor dem hatte ich so einen Respekt, dass ich das dann auch gemacht habe.

00:17:53: Dann war ich tatsächlich im Teiliertheater.

00:17:56: Das hat sich dann im Nachhinein Entscheidung erwiesen, das wurde dann auch kommuniziert von Herrn Flim und vom Regisseur.

00:18:05: Und es stand dann auch in den Zeitungen ... Nein!

00:18:06: Es ist nicht sein Vater, der ihn engagiert hat.

00:18:09: Auch nicht sein bereits toter Großvater, sondern er hat es tatsächlich selber geschafft.

00:18:14: Und diese Rolle wurde dann auch tatsächlich ... War da ein großer Erfolg, glaub ich?

00:18:18: Ja.

00:18:19: Sie haben den Beugobert-Preis

00:18:20: bekommen gleich.

00:18:21: Gleich ein Preis bekommen und öffnete mir eigentlich alle Türen.

00:18:25: Eigentlich hat mir diese Premiere und dieses Engagement bis heute alle Türe geöffnet.

00:18:32: Das ist auch ... Manchmal gibt es ja so Glückssachen.

00:18:37: Und das war eine glückliche Fügung.

00:18:41: Dann war ich tatsächlich zwei Jahre am Taliertheater.

00:18:44: Da ging aber glücklicherweise dieser tolle Regisseur Alexander Lang, der mich entdeckt hat an Schiller Theater in Berlin und wurde dort einer von vier Intendanten.

00:18:53: Und da bin ich dann mitgegangen und das war es damit Hamburg.

00:18:55: Dann bin ich auch nie wieder

00:18:57: zurückgekehrt.

00:18:58: Was mich interessiert – weil das ist wirklich sehr interessant – Alexander Lang sind ja im Theatermuseum oder für die Theatergeschichte ein wahnsinnig wichtiger Regisseure,

00:19:10: der

00:19:10: in den siebziger Jahren in der DDR ausgebildet wurde und dort ja auch zum Teil dann Berufsverbot hatte, weil sie sich von dem... deswegen musste ich an Sie denken.

00:19:21: Also vom Realismus, von dem Stanislavski schon Realismus verabschiedet haben und sehr durch formelle Experimente, durch eine sehr formale Spielweise – das waren noch mehr Beno Besson, Alexander Lang ... Für das Theater, für die Entwicklung des theaters sehr wichtig waren.

00:19:41: Ja da kam

00:19:41: dann noch Jürgen Gosch dazu.

00:19:43: Jürg-Gosch kommt dann dazu.

00:19:45: Gut Thomas Langhoff war dann mehr... Aber im Grunde waren sie die ersten Jahre ihrer Berufskarriere ihres Berufslehmens in Händen dieser DDR Schule.

00:19:57: Ja, ich war dann auf einmal ein ... Stimmt.

00:20:00: Ich ging durch die harte DDR-Schule.

00:20:04: War die so hart?

00:20:05: Nein,

00:20:05: das waren wunderbare Menschen und es hat mich sehr geprägt.

00:20:09: Das war ein großes Glück.

00:20:10: Und dann ... Ich war ja kurze Zeit am Schillertheater.

00:20:14: Das SchillerTheater wurde ganz kurz nach dem Mauerfall leider geschlossen.

00:20:19: Weil man gesagt hat, Berlin hat zu viele Theater.

00:20:22: Man wollte jetzt dem Osten der gerade ... Die Mauer eingerissen hatte keinen Theater wegnehmen und deswegen hat man gesagt, wir schließen das Schiller-Theater.

00:20:30: Da war nun leider ich... Und dann musste ich woanders hin.

00:20:34: Dann bin ich ans Deutsche Theater.

00:20:35: Das ist eigentlich das berühmteste Theater der DDR in Ostberlin.

00:20:40: Und da bin ich glücklicherweise hinengagiert worden, war mit Ignatz Kirchner der erste westdeutsche Schauspieler am deutschen Theater.

00:20:52: Was auch nicht so einfach war, weil die hatten ... Das war für alle eine schwierige Zeit.

00:20:56: Auf einmal mussten sie sich mit Steuerkarten beschäftigen und waren ja wie auf dem freien Markt und guckten mich als junges West-Schauspielers sehr skeptisch an.

00:21:06: Und aus dem mussten ihr ihre ganze Vergangenheit aufarbeiten.

00:21:09: Weil es natürlich auch am Theater gab's viele Leute, die für die Stasi gearbeitet haben.

00:21:14: Es war eine eigenartige, schwere Zeit aber auch eine sehr prägende Zeit.

00:21:18: Ich habe eben diesen wunderbaren Alexander lang kennengelernt, ein fantastischer Resiseur der mich bestimmt ein bisschen geprägt hat.

00:21:24: Manche sagen mir eine gewisse Maniriertheit nach oder eine gewiss Exaltiertheit oder einen.

00:21:30: ich gelte jetzt ja nicht als sehr innerlich psychologischer Schauspieler und das kann sein dass sich dann ein bisschen von Alexander Langen der mich ein bisschen prägt hat und eben Jürgen Gosch Das war ein fantastischer Regisseur damals gewesen, mit dem ich unglaublich viel gearbeitet habe.

00:21:44: Und dann kam noch Beno Besson und Thomas Langhoff dazu.

00:21:47: Und das waren für mich ganz wichtige, wichtige Theaterfäder.

00:21:53: Ja weil es war immer so eine Diskussion und das werden Sie sagen ja exzeltiert, extrovertiert.

00:22:00: aber die Frage ist wie man ja eine Figur entwickelt?

00:22:04: Wie man eine Figuren angeht Und der Ansatz, und das glaube ich ist auch was sie ausmacht, der auch formale Kriterien hat.

00:22:16: Also dass man über eine Körperlichkeit vielleicht, über ein Gestus, über eine Haltung nicht übers Gefühl an der Rolle herangeht?

00:22:24: Ganz ohne Gefühl geht es eben dann nicht, sonst kommt da unten ja nichts an.

00:22:29: aber tatsächlich war einer der ersten Sachen, die mir Herr Langen beigebracht hat.

00:22:35: Jetzt macht das mal alles ein bisschen größer und denkt noch gar nicht so viel danach was es bedeutet oder woher das psychologisch kommt.

00:22:47: Die Psychologie packen wir dann später noch dazu.

00:22:50: Das ist ein Mittel... Wenn dich heute noch manchmal an, also manchmal überlege ich mir tatsächlich im Kopf eher wie könnte so eine Figur.

00:22:59: Wie könnte die sich bewegen?

00:23:02: Also ich gehe relativ formal an so eine Sache ran und versuche sie dann später emotional zu füllen und mein Herz und meinen Bauch damit in die Waagschale zu legen.

00:23:11: Und das ist da gibt es andere große Schauspieler, wie zum Beispiel wir sprachen über Maria Happel oder Birgit Minichmeyer.

00:23:17: Das sind Schausspieler die die Arbeit nicht formal sondern die haben so... das kommt alles aus dem Bauch und aus dem Herzen und es wirft einmal Zuschauer ja um und bei mir ist das immer erst mal so dass einen da nichts umwirft.

00:23:33: dann schiebe ich aber den Bauch noch ein bisschen hinterher und dann die Leute kippen dann nicht um.

00:23:37: aber so ein bisschen sind sie auch emotional angetan.

00:23:51: Das ist ja die große Frage, die alle im Theater und im Schauspiel von Diderot oder dem Paradox des Schauspilers beschäftigt.

00:24:01: Wir wollen das Publikum zu Emotionen bringen ... eine Wirkungsabsicht.

00:24:11: Ja,

00:24:11: ja das ist so.

00:24:12: Wir wollen jetzt nicht...

00:24:14: Sie

00:24:14: sollen ja auf der Bühne vielleicht auch den Link zu kriegen, dass sie als großer komitiantischer Schauspieler sind, dass es einer ihrer Stärken ist, eine.

00:24:28: und sie wollen ja, dass das Publikum lacht!

00:24:31: Und das ist ein Handwerk, ein großes Handwerk.

00:24:35: Da hab ich auch den... Ich hab dann sogar einen großen Fehler gemacht, ich habe da so ein bisschen in Zeit lang als jüngerer Schauspieler war ich dann in Berlin und wurde so ein bißchen prominent.

00:24:46: Und dann wurde ich natürlich immer solche Sachen gefragt und da hab ich so ein bisschen ... hab ich dann ein paar Dinge verraten und das war wahrscheinlich gar nicht so klug.

00:24:54: also anstatt zu sagen ja, dass ist alles ein unglaublich komplizierter Prozess und ich arbeite monatelang und ich quäle mich und so hab ich gesagt, während ich spiele denke ich eigentlich darüber nach ob St Pauli gewinnt oder verliert.

00:25:10: Und das haben mir die Leute dann sehr übel genommen, aber ich wollte damit nur sagen dass ich natürlich... Dass ich mir darüber im Klaren bin, dass ich hier auf einer Bühne stehe und dass sich nicht gleich jemanden wirklich umbringe sondern dass ich das nur spiele Und dass dieser Text, der kommt auch nicht aus mir raus.

00:25:28: Er hat jemand für mich geschrieben vielleicht sogar vor fünfhundert Jahren geschrieben und dann gab es sogar noch einen Mann, der mir gesagt hat wo ich mich hinstellen soll?

00:25:36: Dann gibt es jemanden, der mich angezogen hat.

00:25:37: also im Grunde tue ich eigentlich gar nicht so wahnsinnig viel und das wollte ich damit ein bisschen ausdrücken und ich gehöre nicht zu den Menschen die... Das meinte ich überhaupt nicht, Kroket!

00:25:50: Für mich sind Schauspieler auch keine Künstler in dem Sinne.

00:25:53: Für mich ist er ein Künstlern jemand, der einen Instrument beherrscht oder ein Bild malt oder etwas komponiert.

00:26:00: Also O-Pan-Sänger würde ich schon eher als Künstlerin.

00:26:02: Aber ein Schauspieler... Ich bin ein Spieler, der sich zur Schau stellt und die russbar, wie man in Berlin sagt, die Anmaßung besitzt sich irgendwo hinzustellen und zu sagen schaut mich an Und dafür bezahlen Menschen, und deswegen gebe ich mir natürlich unglaublich Mühe.

00:26:18: Ich denke auch nicht immer an St.

00:26:19: Pauli – das stimmt nicht!

00:26:20: Aber ... ich bin mir des Spielens sehr bewusst.

00:26:27: Aber ich möchte da trotzdem widersprechen, weil ... ich glaube, dass Schauspieler schon Künstler sind, weil... Das ist ja der Stoppage-Schwere.

00:26:36: Wenn Sie sagen, ein Musiker spielt sein Instrument, aber da der Schauspieler ja das Instrument isst und der, der spielt gleichzeitig ist es ja schon ein... ich meine, ist er natürlich ein Künstler der auf seinem eigenen Instrument spielt?

00:26:53: Es ist auch eine Wort-Glauberei.

00:26:56: Das ist eigentlich völlig egal!

00:26:59: Was zum Beispiel erstaunlich ist und da würde ich mich beinah dazu zählen also zum Beispiel eine großartige, unfassbare Bildung geschweige denn sogar Hyperintelligenz ist für Schauspieler zum Beispiel gar nicht notwendig.

00:27:14: Also ich kenne sehr viele unfassbar gute Schauspiele die im Gespräch recht simpel sind sagen wir mal so und das macht mich mal ein bisschen skeptisch.

00:27:27: eigentlich sogar die tollsten Schauspiele die ich kende sind in meiner Wahrnehmung ein bisschen... Nicht dumm aber ein bisschen Ja, sagen wir mal begrenzt.

00:27:38: Und da zähle ich mich eindeutig dazu.

00:27:40: und das allein... Das macht mich dann immer schon so ein bisschen skeptisch?

00:27:46: Ja also Herr Mertens, das geht so nicht hier!

00:27:52: Aber das ist alles nicht Coquette, es ist wirklich eine forty Jahre Berufsaufragung dahinter.

00:27:57: Also ich

00:27:58: habe

00:27:58: sehr viele kennengelernt und alle Menschen mit großem Herzen aber unglaublich dumm.

00:28:08: Man muss sich das vorstellen, vierzig Jahre ... Ich hab eine Statistik, die hab' ich jetzt.

00:28:15: aber, ich glaube es sind sechszig.

00:28:18: Man kann jetzt sehr gut recherchieren am Burgtheater, weil es gibt die ganzen Besetzungstätten.

00:28:23: Ich glaube, sechzig Rollen am BurgTheater knapp.

00:28:29: So davon Vorstellungen?

00:28:30: Ich glaube Aseen und Spitzenhäubchen war die meistgespielteste mit weihundsechzig Vorstellungszeichen.

00:28:36: Zweiundsechte oder einundsechtzig?

00:28:38: Ich glaub mehr sogar.

00:28:41: Na ja

00:28:41: ich hab hier die am häufigsten gezeigten Produktion... Ah nein!

00:28:46: Arsene und Spitznäubchen, die Affäre Rue-Lussin, das Weite Land, was ihr wollt.

00:28:56: Und das als Schauspieler, siebenundfünfzig Produktionen, da sind auch die Lesungen dabei.

00:29:00: aber

00:29:04: das ist ja... Ja ich habe sozusagen als Hamburger mich hier so in Wien eingeschmuggelt geradezu aufdringlich präsent.

00:29:17: Ich war eigentlich mein Leben lang auf der Flucht, meine Biografie.

00:29:22: Das war dann Hamburg und dann gab es Berlin.

00:29:24: Dann bin ich nach München, dann war ich in Bochum, dann in Zürich, dann wieder in Berlin.

00:29:28: Weil immer sobald man anfing, mich kennenzulernen, war ich schon wieder weg.

00:29:33: Und dann ist mir das hier in Wien, kam irgendwann dazu.

00:29:36: Da war ich aber auch immer noch woanders.

00:29:38: Hab nur ein Stück gemacht und dann kam die Kinder auf die Welt.

00:29:42: Und dann auch aus meiner eigenen glücklichen Erfahrung, dass ich mal in meiner Kindheit und Jugend die Stadt nicht immer wechseln musste.

00:29:50: Sondern immer in Hamburg bleiben durfte weil mein Vater dort war habe ich dann irgendwann beschlossen zu versuchen so lang wie möglich hier zu bleiben.

00:30:00: aber eigentlich wieder strebt mir das ein bisschen.

00:30:02: Ich hab den Beruf auch immer dieser Begriff fahrendes Volk Das hat mir ganz gut gefallen und ich wollte mich nie irgendwo so festsetzen ist passiert und das schiebe ich auf die Kinder.

00:30:18: Gut, wenn man jemanden hat.

00:30:22: Aber bevor wir zu Wien kommen ... Ich meine, das ist ja dann doch schon einschneidend.

00:30:26: also wie Sie gerade gesagt haben.

00:30:27: aber es gab noch eine einschneebende ... Sie haben Ihnen erwähnt, Jürgen Gosch, eine einscheidende Produktion glaube ich.

00:30:35: Ist sie je in Wien gezeigt worden?

00:30:37: Gott des Gemetzels?

00:30:38: Nein!

00:30:40: Ich hab's hier in Berlin gesehen, am BE.

00:30:42: Aber die ist entstanden in Zürich oder wo?

00:30:44: Ja, Gottes gemetzelt ...

00:30:45: Also dass die Große... Dass jeder kenne das Jahrzmina

00:30:49: Resa ein Stück mit einem unfassbaren Erfolg.

00:30:52: also wenn sie nicht vorher schon Millionärin war dann ist sie auf jeden Fall dadurch Millionären geworden.

00:30:57: Das Stück ist überall auf der ganzen Welt wird bis heute Landaufland abgespielt Ein fantastische Tragikkomödie Und sogar verfilmt mit Christoph Wald und Jodie Foster, weiß ich was.

00:31:11: Tatsächlich war es so, dass ich in Zürich war.

00:31:13: Mit Matthias Hartmann war damals Intendant und der rief irgendwann an ... Du, wir haben es geschafft!

00:31:19: Jasminer Reza schreibt ein Stück für uns.

00:31:21: Oh, das ist ja toll.

00:31:22: Und du sollst da mitspielen?

00:31:24: Dann warteten wir alle gespannt auf dieses Stück.

00:31:26: Und dann drei Monate später kamen diese Stück.

00:31:28: Gott des Gemetzels.

00:31:30: Für Schauspielhaus Zürig, für Mathias Hartman und Dörte Lisewski, Michael Mertens, Thilo Nest und Korina Kirchhoff.

00:31:37: Ich hab das gelesen und gesagt, ja ist ja auch ein ganz schlechtes Stück.

00:31:46: Da weiß man schon nach zehn Minuten wo es lang geht.

00:31:50: Und da sieht man mal ich sprach über dumme Schauspieler.

00:31:55: also das habe ich völlig falsch eingeschätzt.

00:31:57: Das war eine der erfolgreichsten Uraufwörungen meines Lebens.

00:32:01: Tolles Stück, im Nachhinein lässt sich das ja leicht sagen.

00:32:04: Ja aber das ist die Dramaturgie des Stückes.

00:32:07: man denkt nach zehn Minuten man weiß es aber man kann sich nicht vorstellen was alles noch kommt oder?

00:32:13: Das ist für einen Schauspieler bestimmt fulminant und das hat dann doch getragen und hat sich bewiesen als erfolgreichste Stück schlechthin.

00:32:27: Dann am BE auch gelaufen, lange oder übertausend?

00:32:29: Sehr sehr lange und irgendwann war es dann kompliziert uns zu viel zusammenzukriegen.

00:32:34: Aber ich glaube das haben wir wirklich über hundert Male gespielt.

00:32:38: Das hat dann Paimon nach Berlin geholt und da hat der neue Ente an der Rese das auch noch übernommen.

00:32:45: Ich glaube jetzt, wo wir es acht Jahre nicht mehr gespielt haben, man kann uns wecken und wir können das sofort spielen weil wir das so oft gemacht haben.

00:32:56: Und die Jasmina Redes wusste, hat das für Sie geschrieben?

00:32:59: Also sie hatte gewusst ...

00:33:01: Ich glaube, sie kannte uns nicht.

00:33:03: Aber sie hatte den Namen!

00:33:04: Sie wusste aber jetzt nicht... Sie wussten unser Alter und sie wusste vier Personen und sie wußte den Regisseur, den kannte sie dem Jürgen Gosch und hat das fürs Schauspiel aus Zürich geschrieben was ja eine große Ehre ist.

00:33:19: Von dort trat dieses Stück dann seinen Sieges zu an

00:33:25: mitte der neunzeigste, siebenundneunzig oder so.

00:33:28: Das ist Mina Reza.

00:33:32: Ich schaffe das ja.

00:33:33: ich glaube es ist phänomenal weil das ist immer auch immer tragikomisch.

00:33:38: also ihr Kern der Kernen der Stücke Es ist wahnsinnig zum zum lachen aber es ist auch Wahnsinnig

00:33:46: Ja, sie guckt halt dahinter so eine bürgerliche Fassade.

00:33:50: Meistens ja sogar auf dem ersten Blick sympathische bürgernische Fassades sind ja meistens so gutbürgerliche aber intellektuelle Menschen und wir schauen denen ins Wohnzimmer und auch dort finden halt entsetzliche private Katastrophen statt.

00:34:07: Und da guckt man natürlich als Wojure der man ja als Zuschauer ist gerne zu.

00:34:12: das hat sie macht sie clever mit sehr viel Humor.

00:34:15: Und wie Sie sagen, mit einem großen Portion an ... Das hat dann irgendwie doch eine Tiefe und vor allen Dingen so einen wahrhaftigen Kern.

00:34:23: Sonst würde es ja einer auch nicht so berühren.

00:34:26: Ja!

00:34:26: Die Figuren sind meistens Rechtsanwälte oder Anwälter?

00:34:30: Keine Schauspieler ist das schon.

00:34:37: Dann haben sich geärgert, dass die Castingfirma von Polanski sie nicht angerufen hat.

00:34:43: Ja.

00:34:43: Bist du ... Schon,

00:34:44: oder?

00:34:45: Nein, ich hab ihn nicht geärgert.

00:34:47: Wir waren stolz, dass dieses Stück dann diesen Siegeszug angetreten hat und wir waren eigentlich immer innerlich, haben wir gesagt, das hat Christoph Walz uns zu verdanken.

00:35:00: Innerlich sind wir damit stolz geschwälter Brust.

00:35:03: Wir haben ja diesem Stück zur Geburt vor Ort.

00:35:05: Das

00:35:05: haben wir wirklich.

00:35:06: Und es war tatsächlich... Da hatte dieser Jürgen Gosch ein ganz großes Gespür, das war eine wunderbare Aufführung.

00:35:15: Es gibt ja sehr viele Aufwörungen und das ist nicht immer gelungen.

00:35:20: Manchmal geht es auch die Leute lachend zwar, aber manchmal ist es ein bisschen platt oder so ein bisschen albern und er hat das sehr schön inszeniert mit uns.

00:35:29: Mit natürlich der fantastischen Dörte Lisewski und Corinna Kirchhoff und Thilo Nester.

00:35:34: Ich habe von dem Verdacht geäußert... In den letzten Tagen der Menschheit spielen sie ja mit Dürtel Jesewski, diesen Politiker.

00:35:43: Das Geschäftsmann Gelber.

00:35:45: und dann habe ich gedacht das könnte man sich auch anschauen unter dem Aspekt diese Ehestreit Sie in Strumphaltern und Mantel und also dieses Szene die ja lang ist.

00:35:58: Die geht ja auch nachher...die kann man sich fast als Fortschreibung ... ihres Spiels von damals anschauen.

00:36:03: Stimmt,

00:36:03: so ein bisschen!

00:36:04: Aber das ist sowieso... Es gibt zwei Kollegen in Wien, dass es Maria Hapel und Dorthy Lisewski, die mich schon seit fast beinahe Kindheit begleiten oder sagen wir mal seit den Anfänger-Tagen.

00:36:15: Und auf Dorte bin ich das erste Mal glaube ich in Salzburg mit über Peter Stein getroffen auf Dorthily Lisewsky und Maria Happe kurze Zeit später durch Klaus Peimann und wir sind eine große Strecke gemeinsam gegangen.

00:36:31: Und natürlich ist das auch wunderbar, wenn man sich so gut kennt und wenn man dich auch schätzt was wir tun dann ist es sehr hilfreich so einen gemeinsamen Weg zu gehen und das habe ich mit den beiden gemacht.

00:36:46: Das hab' ich mir überlegt, wenn Jahre Berufsverfahrung hat und wie guckt man dann, also früher war es der Besetzungszettel, wo dann – das werden jetzt heute sicherlich Gespräche mit den Dramatogen sein.

00:37:04: Aber wenn man sieht so einer neuen Stück, neuen Inszenierung einlädt, worauf gucken Sie zuerst?

00:37:12: Also jetzt mal auf das Stück, auf die Rolle oder auf die Kolleginnen und Kollegen?

00:37:20: Also was ist das erste, worauf Sie gucken?

00:37:23: Das ist eine gute Frage.

00:37:27: Früher war ich so doof und habe geguckt wie oft kommt der vor?

00:37:33: Weil manchmal auch zu doof war, weil ich die Stücke gar nicht kannte.

00:37:36: Und da bin ich sozusagen nach Masse gegangen.

00:37:40: Da dachte ich Aha!

00:37:41: Der hat am meisten Worte scheint ne gute Rolle zu sein Und im Laufe der Zeit habe ich dann gelernt, bevor ich das so durch überfliege, sollte ich das Stück doch mal lesen.

00:37:53: Das tue ich auch.

00:37:55: und jetzt mittlerweile... das ist ja nicht so dass ich mir das immer aussuchen konnte in meinem Leben lang aber mittlerweile tatsächlich ist es schon für mich sehr wichtig.

00:38:06: also ich freue mich immer neue Registriere kennenzulernen besonders was mir jetzt ja passiert weil ich auf einmal alt geworden bin jüngere Registiere kennen zu lernen.

00:38:14: Und dann ist es mir tatsächlich wichtig, wer da neben mir auf der Bühne steht.

00:38:19: Das kann ich natürlich nicht bestimmen und ich kann auch nicht sagen... Ich will dann auch nicht sagen, nee da mach ich nicht mit.

00:38:24: Wenn der damit macht.

00:38:25: aber ich freue mich wahnsinnig wenn da ein Ensemble mit mir auf der Bühne steht wo ich das Gefühl habe boah da können wir gemeinsam was Schönes machen weil man muss ja immer bedenken werden wir so einen Stück machen?

00:38:36: Wir haben ja nicht nur die Premiere und die Kritiken sondern meistens sind wir da mit der zwei drei manchmal vier fünf Jahre beschäftigt.

00:38:42: darum ist es schon ziemlich wichtig mit wem man diese Zeit da verbringt.

00:38:46: Und ähm das ist da achte ich schon sehr

00:38:50: die Probenzeit Das ist Lebenszeit.

00:38:53: Ich denke ja, wenn man ... Sie werden jetzt dieses Jahr noch dreiundsechzig.

00:38:58: über vierzig Jahre Berufserfahrung haben wir gesprochen und dann frage ich mich ja auch wie ... Also sie haben ja einen Markenzeichen entwickelt sozusagen ein Signature nämlich die... Wie nenne ich das?

00:39:15: Na ja also den Michi Mertens Sound, würde ich sagen.

00:39:20: Das schreiben mir auch viele Kritiker, dass sie ja bekannt dafür sind, diese Männerbilder aus ihrem heroschen starken Kontext wegkippen und in die Schwäche bringen, manchmal sogar in die Feminität nicht lächerlich aber eher dem Scheitern näherbringen.

00:39:44: Beispiel, jetzt können wir Sie sehen als König Artur.

00:39:48: Das ist natürlich durch die formalen Mittel auch eine hochgetunte Inszenierung aber trotzdem habe ich so einen König-Artur noch nicht gesehen der gar nichts sich angesichts der Erfahrungen des Weltenlaufs, der sich gar nicht dafür begeistern kann.

00:40:09: Jetzt die Tafelrunde in Gang zu bringen, sondern eigentlich das scheitern schon vorausahnt.

00:40:18: Ich find's toll weil das berührt mich, weil es so ... Weil es das Scheitern die Erfahrung der Welt schon auf seinen Schultern trägt!

00:40:28: Aber es gibt keine wirklich große Theaterfigur wenn ich jetzt denke an Hamlet oder an Prinz von Homburg oder an den Ferdinand.

00:40:47: Diese alte Figuren leben davon und sind so reich, weil sie ... Weil sie zweifeln, weil sie kurz vor dem Scheitern sind.

00:40:58: Weil Sie vor Hürden stehen, weil Sie fallen und sonst würden uns diese Figuren alle nicht interessieren.

00:41:03: Also dass ein nur einem Held ins Gut geht und der Strahlen durchs Leben geht das ist ja langweilig.

00:41:08: also dafür gehe ich ja nicht ins Theater.

00:41:10: Nein sicher!

00:41:11: Sicher aber die andere Seite machen sie besonders stark.

00:41:16: Ich habe es auch noch mal gelesen auch die Paraderrolle des Jedermanns, die aus gegebenen Umständen dann doch Eine Spielzeit spielen durften, haben sie aber auch im Vorfeld gesagt.

00:41:28: Natürlich ist jemand der mit seinem Tod konfrontiert wird und wie er damit umgeht – das ist auch komisch!

00:41:35: Ja, das ist komisch und vor allem beinahe lächerlich.

00:41:38: Aber er wird ja ... Jeder Mann ist eine faszinierende Figur, das sage ich auch immer wieder.

00:41:44: Das ist ein ganz tolles Stück.

00:41:46: Und die Rolle ist natürlich fantastisch, weil der jämmerlich in seiner Todesangst wird.

00:41:51: Ob es nun die Mutter ist oder all diese Allogerien auf die er trifft am Ende sogar das Geld verzweifelt da um sein Überleben kämpft und auf eine nicht sehr heroische Art und Weise.

00:42:05: Das ist berührend.

00:42:06: Und am Ende kommt er dann zur Einsicht und schafft diesen Weg.

00:42:11: Also, in meiner Meinung nach ... Ist das so?

00:42:13: Ich übertreibe es und hab dafür ja auch oft Ärger bekommen.

00:42:17: Also ich muss gestehen, dass mein ich nicht Croquet, aber gerade an den Figuren, die ich grade genannt habe bin ich kläglich gescheitert.

00:42:26: Nicht für mich persönlich!

00:42:27: Aber ich hab zum Beispiel dem Prinz von Homburg in Berlin gespielt.

00:42:32: Die Kritiken habe ich bis heute nicht vergessen.

00:42:35: Einen so katastrophalen Homburg hat man noch nie in Berlin gesehen und will man auch nie wieder sehen, das Gleiche ist mir hier mit dem Hamlet passiert den ich unter der Regie von Klaus Maria Brandauer gespielt habe und es ist mir mit jedem Mann passiert also diese Das geht offensichtlich nicht immer auf mein Konzept.

00:42:54: Aber das kann passieren, aber ich bleibe behaare darauf.

00:42:58: zum Beispiel der Prinz von Homburg.

00:43:00: da wird auch immer gesagt es muss doch ein Held sein.

00:43:02: wenn man das Stück liest dann sehe ich das nicht.

00:43:05: Ich sehe eine ganz auch klägliche vor dem Krieg und vor dem Feld angsthabende Person die sich windet die sehr viel wahrscheinlich vom Kleist in sich hat.

00:43:17: Und das habe ich da gesehen und dazu stehe ich auch.

00:43:24: Aber nach so vielen Jahren gibt es doch bestimmt zwei Kategorien, wo Sie Ihr Spiel überprüfen können?

00:43:32: Doch wahrscheinlich weniger die Kritiken und mehr das Publikum.

00:43:35: oder sind die Kritik noch wichtig?

00:43:40: Das wäre ja die Frage wie hat das Wiener Publikums auf den Hamlet damals ... Das war Ihre erste große Rolle an der Burg, Klaus-Maria Brandauer.

00:43:51: Können wir machen?

00:43:52: Nein,

00:43:52: nein!

00:43:54: Aber Klaus Maria Brandauer inszeniert ihre Ophelia und auch sonst eine tolle Besetzung.

00:44:03: Es war meine zweite Rolle in Wien.

00:44:06: Meine erste Rolle war der Anatol von Schnitzler.

00:44:10: Das waren nicht nur für die Kritiker, sondern vor allem für das Publikum eine Katastrophe.

00:44:13: Weil sie empört waren, dass nach Helltau und bei so großen Wahnsinnschauspielen wie kommt dieser Hamburger dazu diese Rolle zu spielen?

00:44:22: Und dann hab ich den auch ziemlich unter der Regie von Luc Bondi ... Der wollte unbedingt eine sehr depressive, also ein leidender Don Juan, der sozusagen der quasi immer in der Frau noch den letzten Anker sucht und kaum hat er den Anker gefunden.

00:44:40: Lässt ihr ihn aber auch wieder los und sucht den nächsten Anker.

00:44:44: eine sehr kluge Analyse des Stücks, die aber sehr weg ging vom humoristischen und vom Boulevardesken und vom witzigen und vom Lebemann, vom fröhlichen.

00:44:55: Es war ein Anatol, der da ziemlich in den Seilen

00:44:58: hing.".

00:44:59: Ich

00:44:59: hab dafür sogar Preise bekommen für die Rolle, aber das kam beim Publikum nicht so gut an.

00:45:04: Zum Beispiel hat dann der Intendant damals gesagt, dass müssen wir Silvester spielen in Anatholter.

00:45:08: Da wusste er ja noch nicht wie die Aufführung aussieht und das haben wir dann Silvesta gespielt und da waren die Leute gerade zu empört weil die sich ... Warum müssen wir denn so einen traurigen Quatsch uns jetzt am Silvesterabend angucken?

00:45:22: Weil diese Auffführung so ein bisschen traurig war

00:45:25: Ist sie ja, also ich finde das ganz toll was Sie sagen.

00:45:29: Ich fand es auch eine sehr kluge Interpretation und ich fand dass auch ungerecht von den Wiener Kritikern und auch zum Teil vom Publikum die gesagt haben Das muss ein Wienerspielen oder zumindest ein Österreicher?

00:45:39: Ich finde dann tut man Schnitzel so unrecht weil ich halte ihn für einen Universalautor Ein global universellen Autor dem man in Buenos Aires genauso spielen kann wie in wien.

00:45:50: Und all diese Figuren die er geschrieben hat können auch in jeder Großstadt ob das nun london oder Paris, oder Wien vorkommen.

00:45:56: Deswegen tut man ihm da unten recht, wenn man das sozusagen nur so regional begrenzt und auf jeden Fall ... Das ist wirklich nicht Coquette!

00:46:06: Das war ein nicht-so-toller Start in Wien.

00:46:10: Und dann kamen drei Monate später der Hamlet... Da habe ich damals wie viele Worte hat, Hamlet?

00:46:17: Oh sehr viele, das war spielig Und er hat das sofort angenommen, die Rolle.

00:46:23: Das war der nächste Debakel und wer da jetzt Schuld daran hat?

00:46:27: vorwiegend, finde ich ja immer, dass der Hauptdarsteller jetzt Schuld hat.

00:46:31: Es war keine sehr gute Aufführung, es war wirklich keine gute Aufführung.

00:46:34: Da muss sich auch die Kritiker in Schutz nehmen, die das garissen haben.

00:46:39: Die haben dann ein bisschen recht gehabt und wir haben dann das auch über fünfzigmal gespielt wie das so ist.

00:46:45: am Burgtheater hab ich dann damit auch sehr schöne Erfahrungen gemacht, mit dem Publikum.

00:46:52: Aber am Anfang war das noch nicht so schön.

00:46:54: Hat er eine komische Seite gehabt?

00:46:56: Der Hamlet hat ...

00:46:59: Ich meine jetzt in der Aufführung von Brandau, also das ... Ja,

00:47:04: immer mehr.

00:47:04: Also da, ich war da ein bisschen verwirrt in der Zeit, muss ich sagen.

00:47:11: Ich hab mir mal vorgestellt, innerlich so ... Ich fand, ich hatte ein ganz tolles Kostüm.

00:47:16: Ich fand mich damals sehr hübsch!

00:47:18: Ich war unglaublich verliebt in Frau Minnichmeyer – das kann man ruhig verraten.

00:47:24: Und ich schwebte eigentlich auf so einer Wolke, aber war offensichtlich habe ich auch ein bisschen den Verstand verloren.

00:47:34: Ich saß da vorne irgendwie auf dem Felsen mit diesem toten Kopf und fand mich unglaublich toll!

00:47:41: Aber ich war gar nicht so toll.

00:47:45: bei aller Eitelkeit und Verliebtheit und Branddauer- und Burgtheatern, Hamlet... Das war nicht so gut.

00:47:56: Mein bester Freund und mein Bruder waren bei der Premiere, ich hab zur Feier des Tages im Sacher übernachtet.

00:48:02: Wir sind besoffen, waren alle in meinem Hotelzimmer.

00:48:07: Dann haben die gesagt, jetzt setze dich da hin!

00:48:09: Was ist denn?

00:48:11: Und dann haben sie mir gesagt, was Sie gesehen haben.

00:48:13: Wie konntest du das?

00:48:14: Was hast du gemacht?

00:48:16: So was grauenhaftes habe ich meinen Leben noch nicht gesehen.

00:48:19: Ich bekam eine schreckliche Kritik von den beiden vor, bevor die Zeitung rauskam.

00:48:23: Und da bin ich dann so ein bisschen aufgewacht und habe, ja vielleicht bin ich auch im Moment verwirrt.

00:48:27: Vielleicht liegt das auch an Frau Minnichmeyer, hab

00:48:29: ich das auf die

00:48:30: geschoben und so.

00:48:32: Das war eine interessante Zeit.

00:48:35: Da muss ich noch ganz kurz sagen mein lieber Kollege Johannes Krisch ist ja vor Kurzem verstorben und der war damals der Horatio oder der beste Freund vom Hamlet Und das war ja eine meiner ersten Rollen am Burktheater und der war ein ganz, ganz großes Beispiel wie man an den BurkTheater empfangen wird.

00:48:53: Der hat einen mit ganz großer Liebe und Neugier mich da aufgenommen im Burk Theater und mir alles gezeigt und ich habe von dem wahnsinnig viel gelernt wenn jetzt neue Kollegen als Burk theater kommen wie man die behandelt nämlich nicht skeptisch und die so beäugen sondern indem man sie einlädt und mit ihnen redet und ihn Fragen stellt.

00:49:15: Ich hab ja wie gesagt am Sacher übernachtet.

00:49:18: Und in meiner Eltern habe ich auch im Sacher untergebracht, am primären Abend und überhaupt mehrere Freunde.

00:49:23: Irgendwann kamen ums Sechzehn Uhr ein Anruf vom Portier Herr Mertens die Kutsche ist da!

00:49:28: Was für eine Kutsche?

00:49:29: Ja, Herr Krisch hat Ihnen eine Kucze bestellt.

00:49:31: Sie fahren jetzt mit der Kutsch zur Premiere und ich wollte noch so konzentriert ein bisschen durch den Hofgarten gehen oder so ganz seriös.

00:49:39: Und dann stand vor dem Hotelsacher eine Kutzsche in der ich alleine einsteigen musste.

00:49:46: Draußen

00:49:46: stand meine heulende Mutter und mein gerührter Vater und noch andere Leute und winkte.

00:49:52: Und

00:49:54: so bin ich dann bis vor das Burgtheater gefahren.

00:49:57: Das war ein Geschenk von Herrn Krisch und so bin ich sozusagen mit der Kutsche in diese Katastrophe gefahren.

00:50:03: Ja, ja!

00:50:04: Aber wie soll man da nicht leicht abdrehen?

00:50:06: Frage ich mich gerade bei solchen Ritualen

00:50:09: usw.,

00:50:10: aber wo haben Sie dann für sich die... Ich glaube wenn waren sie lange frei, aber an der Burg und richtig entschieden fest wird zum Ensemble des Ja, das zu gehören ist dann in so elf- zwölf passiert oder?

00:50:28: Ich wurde immer... Es hat schon Klaus Bachler.

00:50:32: Immer wurde ich netterweise gefragt aber es gab immer noch viele andere Kräfte die an mir zehrten.

00:50:38: Das war gar nicht nur meine unersättliche Rastlosigkeit oder Geschweige denn hier oder weiß ich was.

00:50:45: und es war wirklich so dass Klaus Peimann hatte einen Wahnsinnigen in der Hand auf mich.

00:50:50: Dann hatte Matthias Hartmann im Bochum, der war da hinten.

00:50:53: Der hat seine Hand auf mir, Klaus Bachler hier und so war ich dann tatsächlich ... Ich war zwei Jahre lang an drei Theatern parallel engagiert.

00:51:04: Und die haben dann aber ... Ich hab gesagt, ich werd verrückt!

00:51:06: Ich krieg das gar nicht alles hin.

00:51:08: Ich habe gesagt, wir machen das untereinander.

00:51:10: Und dann haben diese Betriebsbüros sprachen immer ja, da ist er da und dann kommt er da, dann fährst du ihn dahin.

00:51:17: Im ersten Moment fand ich das ganz schick und fühlte mich so wie in einer ... Drei-Wettertaftwerbung.

00:51:22: Heute hier, morgen da und dann hier.

00:51:25: Aber nach einem Jahr war ich auch da kurz vorm Durchdrehen.

00:51:29: Weil es natürlich wahnsinnig anstrengend ist und wahnsinn nicht verwirrenden.

00:51:33: Und wie man sagt der Indianer fliegen nicht weil sie auf der Strecke was verloren geht.

00:51:38: und so war das bei mir.

00:51:38: also Ich habe mich komplett selbst verloren und wusste wirklich oft nicht ganz genau wo ich bin.

00:51:44: Ob ich jetzt im Buch um bin?

00:51:45: Nein, da steht ja ein ganz schönes Haus.

00:51:47: schöne Häuser gibt's im buch um nicht Dann bin ich wohl nicht im Buch und so war das.

00:51:53: Das war eine aufregende Zeit, aber auch ein bisschen zu viel.

00:51:58: Und dann kamen glücklicherweise die Kinder und dann kam die Einsicht und dann bin ich auch sehr froh, dass ich hier war.

00:52:05: Wobei ich sagen muss ... Das merke ich auch an Kritiken und so, dass man dieses als Schauspieler.

00:52:13: Es ist natürlich schwierig, sich immer wieder neu zu erfinden.

00:52:16: Wenn man so viel spielt wie ich und so viele Jahre ... Man kommt einem Schauspiel mehr auf die Schläche, wenn er an einem Ort ist.

00:52:23: Weil auch die Zuschauer einen nicht nur ein oder zweimal sehen.

00:52:30: Es ist wahnsinnig schwer für uns, sich immer wieder neu zu erfinden.

00:52:33: Und ich verstehe dann auch manchmal eine gewisse Überdrüssigkeit und sage, nein nicht schon wieder der Märten.

00:52:39: Manchmal hat man das Gefühl ... Das meint ich wirklich nicht Krokette, aber manchmal gibt es das ein bisschen.

00:52:44: gerade auch in Wien.

00:52:45: oder es fängt, das Publikum fängt an zu behaupten.

00:52:48: Sie kennen einen und davor bin ich früher immer geflohen.

00:52:52: Das kann ich jetzt nicht mehr haben.

00:52:54: Ich gebe mir alle Mühe, immer wieder neu mich zu erfinden aber man stößt natürlich an Grenzen.

00:53:00: Und irgendwann ist man dann auf einmal der Mertens oder der, weiß ich oft Schereck oder der.

00:53:05: und dass es eigentlich ist zwar toll, aber eigentlich ist was uns gar nicht so stolz macht weil wir wollen ja eigentlich immer wer anders sein und nicht die eine Person

00:53:15: Das denke ich mir, das ist interessant.

00:53:17: Und sie sind ja jetzt aber groß ... Sie spielen sehr viel unter diesen neuen Jüngeren.

00:53:26: So jung sind sie auch.

00:53:27: nicht mehr Regisseurinnen als es Simon Stone, der ja doch auch so eine andere Arbeitsweise verführt, sag' ich mal mit seinem doch mehr diesmal dann doch sehr psychologischen Ibsen basierten Texten, also da kommt ja dann doch durch die Regie eine andere Farbe oder sie sind mit gerade mit Anton Numero nunes.

00:53:59: Also ist diese junge Rige der Regisseurinnen auch gut dass aus ihnen was Neues sucht?

00:54:08: Ja natürlich und

00:54:10: da freuen wir uns immer.

00:54:14: Ich freue mich auch über neue Stücke.

00:54:16: Ich gehöre überhaupt nicht zu den Menschen, die immer sagen, ich möchte nur Chechow Shakespeare und Beckett spielen oder so.

00:54:22: Sondern ich freu' mich über Uraufführungen und natürlich über... Junge Regisseure und ich freue mich.

00:54:29: Und das ist auch einer der Gründe, warum ich so gerne am Burgtheater bin.

00:54:32: Ich freue mich überhaupt über diese ganzen verschiedenen Generationen.

00:54:34: Das Burgtheaters ist eines der ganz wenigen Theater wo man noch gemeinsam mit einem einundzwanzigjährigen und einem einen neunzehnzigjährigen oder einer jährigen auf der Bühne stehen kann.

00:54:47: Wenn ihr da mal guckt im Ensemble, die sind alle zwischen ... und Vierzig Jahren hört es auf.

00:54:54: Und hier am Burgtheater ist das so ein Geschenk mit Frau Petritsch oder mit Herrn Samarowski?

00:55:00: Oder mit Herrn Schwab zu arbeiten?

00:55:02: Oder was ich früher mit geschweige denn Foss oder Kirsten Dehn... Das ist so ein großes Geschenck!

00:55:08: Und das Geschenkt dessen bin ich mir bewusst.

00:55:11: Und jetzt das große Geschenke, dass man so alt ist, dass er mit jüngeren Regisseuren arbeiten kann.

00:55:17: Wenn Sie Hansa Marofsky anschauen, dann können sie ja sagen, da habe ich noch eine ganze Wegstrecke vor mir.

00:55:26: Aber das ist vielleicht auch ein bisschen Wien also... Sie sind ja ein Publikums Liebling und viele gehen in Wien ins Theater weil sie gucken wer von den Schauspielerinnen steht auf dem Besetzungszettel.

00:55:45: Mehrheitlich sowohl.

00:55:46: In Deutschland guckt man vielleicht noch, wer hat Regie geführt?

00:55:48: Aber hier sind es die Schauspieler, der Schausspieler.

00:55:53: Das ist auch was Tolles.

00:55:55: Da kann ich gar nichts gegen sagen.

00:55:58: Wunderbar!

00:55:58: Ich trau den Braten immer nicht so ganz.

00:56:02: Ich habe das Gefühl ... Ich unterstelle den Wienern und den Österreichen eine gewisse Falschheit.

00:56:12: Ich glaub nicht, dass die mich lieben.

00:56:14: Und ich will auch gar nicht geliebt werden!

00:56:19: Ich bin froh ... Das ist auch blöd, das sozusagen.

00:56:25: Ich meine das gar nicht.

00:56:26: Aber ich bin gerne hier in der Fremde und ich mag das gerne irgendwo zu sein wo ich als Hamburger natürlich immer wieder an Sachen stoße die ich mich ganz verstehe.

00:56:38: und ich verstehe auch wenn da unten der eingefleischte Wiener auch mich manchmal nicht richtig versteht allein schon den Duktus meiner Sprache oder auch mal bei die Art meines Humors.

00:56:52: Ich bin beschenkt von Lob und Zuneigung.

00:56:56: Aber ich glaube, es gibt auch ganz viele Tatsache, die dann auch manchmal ... Ach da!

00:57:01: Also ich glaub's über diese bedingungslose Liebe, die zum Beispiel Frau Minnichmaier oder Herr Oftschereck erfahren, die hab' ich hier nicht.

00:57:07: Aber?

00:57:11: Und das muss ja aber gar nichts sein.

00:57:12: Ich bin ja auch kein dicker Österreicher, ich bin ein mittelticker Hamburger.

00:57:19: Ein Tief genocht dazu, was auch dazu führt dass sie in Österreich nie wählen dürfen.

00:57:26: Stimmt

00:57:26: ich hatte das gelesen im Standard.

00:57:28: da gab es so Künstler zur Nationalratswahl.

00:57:30: vierundzwanzig wurden befragt und dann haben Sie gesagt Ich lebe gerne hier habe zwei Kinder zu alle meine Steuern aber wählen darf ich leider nicht.

00:57:38: Ja, das finde ich wirklich wichtigere Probleme auf der Welt.

00:57:43: Ich glaube da gibt es aber auch Überlegungen oder immer wieder Versuche was zu verändern.

00:57:48: Da haben Sie gesagt, ich würde gern dazu beitragen dass dieses Land weiterhin ein offenes freies soziales und vor allem so kulturreiches Land bleibt.

00:57:57: Aber ich habe keine Wahl, ich besitze einen deutschen Pass.

00:57:59: Schade.

00:58:02: Ist mir noch mal aufgefallen?

00:58:03: sie lesen gerade mit einer Kollegin Katja Kolm, die Briefe von Alexei Navalny aus dem Gefängnis.

00:58:13: Am zweiten Zehnten im Theater-Aktzent bei dem Zusammenhang, also da werde ich kommen, das interessiert mich sehr.

00:58:22: toll diese Briefer von Navalny zu lesen und diese Figur mit realen Texten.

00:58:28: empfinden Sie sich als politischen Menschen?

00:58:30: Also dass sie politisch...

00:58:33: Ich bin wahnsinnig interessiert an Politik und nehme Teil, ich bin froh.

00:58:41: Ich kann ja in Deutschland wählen, das tue ich auch.

00:58:43: Und ich interessiere mich sehr für Politik und vor allem der Gesellschaft, in der ich lebe.

00:58:53: wie wir die Art, wie wir miteinander leben, interessiert mich wahnsinnig aber ich halte mich überhaupt keinen politischen Schauspieler und will das auch nicht sein.

00:59:05: Also ich will gar nicht... Das würde ich anmaßen finden, dann würde ich mir einen anderen Beruf aussuchen.

00:59:12: Dann würde ich in die Politik gehen oder gleich dorthin gehen wo man wirklich hilft, nämlich dann würde je Entwicklungshelfer oder irgendwas tun.

00:59:21: Aber ich habe mir diesen... Wirklich nicht Kroket gemeint, diesen Eitlern Beruf ausgesucht, dass ich mich irgendwo hinstelle und die Leute mir hier zuschauen.

00:59:31: Aber das Einzige was ich zu verkünden habe ist... Eine gewisse Form von Unterhaltung.

00:59:39: Unterhaltungen heißt ja nicht, dass ich nur Leute zum Lachen bringen will oder zum Weinen.

00:59:43: das kann auch sie zum Nachdenken anregen.

00:59:45: und natürlich ist unser Beruf immer geprägt von einer Großportion von Humanismus also die Autoren mit denen wir uns beschäftigen.

00:59:54: Das muss gar eine politische Richtung sein.

00:59:56: aber es sind alles humanistische Gedanken die wir dort auf der Bühne verhandeln, und die wir nach unten übertragen.

01:00:02: Und die dazu anregen sollen, dass man nachdenkt und sich am besten natürlich sogar danach bei einem Glas Wein darüber unterhält was man gesehen hat.

01:00:12: Das kann sozusagen dann auch zu politischen Gesprächen führen.

01:00:15: aber ich möchte überhaupt nicht ... Ich will überhaupt nicht politisch wirken als im Sinne von macht das oder tut dies oder wählt das?

01:00:26: Also das will ich überhaupt

01:00:27: nicht.

01:00:27: Ja.

01:00:28: Aber was ich gerade gesagt habe, das verstehe ich gut.

01:00:34: Ich finde es auch oft falsch entschuldigt.

01:00:36: Weil oft wird gesagt, dass Stück ist grade jetzt so aktuell kurz vor der Sachsen-Anhaltwahl.

01:00:42: also das find' ich immer vollkommen blödsinnig.

01:00:44: ein Stück wie Hamlet oder wie... der Prinz von Homburg und wenn es auch die Komödien von Shakespeare sind.

01:00:51: Und alle Tschechoffstöcke, die sind immer aktuell egal wo wir uns befinden an welchem Ort.

01:00:56: Wir finden sie haben immer eine humane Aktualität weil ... Unfassbar tolle Stücke sind und Themen behandeln, die die Menschheit noch in fünfhundert Jahren interessieren wird.

01:01:06: Und schon vor fünfhundert Jahren interessiert hat.

01:01:09: aber dass diese Stücke zu benutzen um jetzt direkt auf was zu reagieren?

01:01:13: Was gerade nun irgendwo stattfinden das finde ich haltig für falsch.

01:01:17: ja das nimmt Das ist ja auch oft die Kritik inzwischen auch des Publikums das nimmt den stück.

01:01:22: Ja auch

01:01:23: oft

01:01:24: wenn sie Wenn Sie in eine Richtung inszeniert werden nimmt es ihnen die Vielfalt die Dialektik die Widersprüchlichkeit das Es ist ja auch oft eine Verkürzung, die wir erleben.

01:01:35: Und gerade Sie, weil sie ja eigentlich wirklich immer versuchen vorzudringen in den tragikomischen Kerns des Menschen und das ist ja was extremst humanistisches.

01:01:46: also was Sie grade auch gesagt haben ein Held ist nicht ein Heltballer immer heroisches sondern ein Hält ist auch deswegen ein Haltballer, ein Zweifler ist ein Komiker

01:02:00: und weil man ihm auch fallen sieht.

01:02:05: Und auch der Bösewicht ist ja meist nicht nur böse, sondern es gibt ja Motive und Gründe warum er so böse ist.

01:02:14: Die kommen ja meistens aus einer gewissen Form von Verzweiflung oder nicht gesehen werden im Falle von Richard III.

01:02:23: ganz berühmt, aber ein furchtbarer Bösewicht!

01:02:25: Aber nur einen bösen Menschen auf die Bühne zu stellen?

01:02:28: Das ist langweilig sondern wir versuchen ja zu ergründen warum is der so böse und was ist dem wahrscheinlich passiert in seinem Leben?

01:02:34: und eigentlich das ist das Berühmte dass wir Schauspiel natürlich immer versuchen unsere Figuren in Schutz zu nehmen.

01:02:41: Das sagen wir immer und das stimmt auch.

01:02:43: also wir müssen auf eine Art egal wen wir spielen uns irgendwie versuchen diese Figur zu beschützen und sie zu verstehen.

01:02:52: Das ist wichtig.

01:02:53: Motive zu finden, Widersprüchlichkeiten.

01:02:58: Und nicht zu vergessen das Lachen was ja nun eines ihrer wirklichen Fachgebiete ist wie wir wissen schwerer ist als vielleicht zur Rühren es eigentlich jemandem zum lachen zu bringen oder beides?

01:03:12: Aber

01:03:14: ich finde aber das sollte man schon noch mal erwähnen dass lachen mir eine große subversive Kraft hat.

01:03:18: also das lachen.

01:03:19: Ich weiß nicht, wie sich das anfühlt.

01:03:20: Wenn Sie mit einer gesetzten Poamte oder so ... Wie fühlt es sich an?

01:03:28: Wenn sie ihn gelingt eine Pante so zu setzen dass die tausend Leute im Burktheater lachen ist doch gut unglaublich.

01:03:35: Ja, schön!

01:03:36: Das mag man gar.

01:03:38: ich habe auch überhaupt keine Angst von dem Boulevard viel gesagt.

01:03:40: ja ich würde niemals.

01:03:43: Es gibt in Berlin das berühmte Kudam-Theater, wo Harald Junke früher aufgetreten ist.

01:03:48: Da bin ich als junger Mensch hingepilgert, weil ich das so toll fand und da ging es nur darum, dass man lacht.

01:03:53: Viele haben das so verächtlich.

01:03:55: Das ist ja kein ernsthaftes Theater.

01:03:56: Und so, das fand ich immer ganz toll!

01:03:58: Ich hab da überhaupt keine Berührungsängste und ich finde ... Wenn wir das schon machen?

01:04:05: Ich habe gesagt, ich mach das nicht um die Welt zu verbessern sondern ich mache's um zu unterhalten.

01:04:09: Und ein offensichtliches Indiz für Unterhaltung ist ja, wenn Menschen lachen.

01:04:13: Darum mag ich das natürlich sehr gerne und muss man nur aufpassen.

01:04:19: Das passiert mir immer.

01:04:20: Man darf sich nicht zu billig verkaufen also einfach nur gegen eine Wand laufen.

01:04:25: Da lacht man mal kurz aber das reicht nicht aus.

01:04:28: oder einfach nur auf einer Bananenschale ausrutschen.

01:04:31: dass damit ist es nicht getan, also man muss irgendwie mehr noch dafür tun.

01:04:36: Damit ist es nichts getan.

01:04:37: aber Lachen Alexander Klugel sagt Lachen ist ein Partisan gegen den Verstand weil diese übermäßige Sinngebung die sich der Mensch ständig gibt.

01:04:50: und der Bergsonnen der Philosoph sagt das gemeinsame Gelächter und das finde ich toll ist eine Krisenreaktion des gesellschaftlichen Lebens, auf die von ihm erkannt sind größtmögliche Gefahr seine Erstarren.

01:05:04: Also die Gefahr der Erstarreung diese vernunftbasierte Welt in der wir leben ja, die uns bald die KI links und rechts gleichzeitig überholt ist.

01:05:13: das Lachen is ein Partisan gegen den Verstand es ist eine Krisenreaktion von uns Menschen weil wir lachen gerne Wir sind doch dankbar Es.

01:05:25: Psychologisch ist das Lachen eine ganz tolle Geschichte, die noch nicht zu Ende erforscht ist.

01:05:30: Warum wir lachen was das mit uns macht?

01:05:33: Also inzwischen gibt es ja Lachttherapien.

01:05:35: Ja, es

01:05:35: scheint auch heilende Wirkung zu haben.

01:05:38: Lachen ist gut aber weinen ist auch wunderschön.

01:05:40: also Weinen hat ja auch etwas Reinigendes was Befreiendes.

01:05:43: Also Lachen und Wein alles was mit Emotionen sich entäußern Ist gut.

01:05:49: steif zu sitzen skeptisch Ohne sich überhaupt zu regen, ist auch okay.

01:05:56: Nein!

01:06:00: Also es ist alles erlaubt.

01:06:02: Ich finde das alles erlaubt aber natürlich freuen wir uns da unten über Reaktion.

01:06:09: Ja in der Name der Rose schreibt ja Umberto Eco bei diesen Bibliotheken, bei diesem Mönchen das Buch von Aristoteles.

01:06:18: Das heißt, wir hauen jetzt ja hier ganz drückwärts.

01:06:21: Nein, aber das ist lustig!

01:06:22: Auf einmal kommt ein Philosophen auf den anderen.

01:06:25: Es hat mich mit dem Lachen beschäftigt.

01:06:27: Ich wollte, es ist aber nur eine Anekdote und da ist ja das Buch von Aristoteles über die Komik also dass über die Tragöde gibt's ja.

01:06:34: Aber das für die komik wird vernichtet weil die Mönche Angst haben vor dem lachen, weil lachen auch die Furcht vor Gott tötet.

01:06:44: Lachen ist, deswegen komme ich nochmal drauf.

01:06:46: Das Lachen sehr subversiv ist und das kommt im Namen der Rose von Umberto Eco vor.

01:06:51: also die Forschung nach dem Lachen was macht es mit dem Gesellschaftskörpern?

01:06:56: Aber

01:06:58: bin ich dann subversiverlich die Leute zum Lachen brechen oder ist das Publikum subversif?

01:07:02: Beide

01:07:04: beide weil sie gemeinsam lachen und lachen eine gewisse Kraft hat.

01:07:09: Mir gefällt das einfach, also auch die größte Gefahr seiner Erstarung aufzubrechen.

01:07:15: Ja ich hatte mich jetzt extra damit beschäftigt.

01:07:17: Ich habe mich mit vielen Dingen beschäftigt.

01:07:19: zum Beispiel habe ich mich beschäftigt mit der Liste.

01:07:22: da waren wir schon aber das ist trotzdem interessant.

01:07:26: Welchen Autor haben Sie eigentlich in ihren vierzig Jahren?

01:07:28: Wissen sie das am meisten gespielt?

01:07:31: Gefühlsmäßig Also für den großen Rollen.

01:07:36: Ich befürchte Shakespeare

01:07:37: ja

01:07:39: und ich hab mir wirklich Shakespeare ist fantastisch.

01:07:44: Das wissen wir ja alle, es gibt's ja eigentlich gar nicht.

01:07:48: Es ist eine Art Gott, den kann es ja gar nicht gegeben haben und das ist für Schauspieler natürlich auch ein unfassbar.

01:07:55: Aber...

01:07:56: Man ist auch zum Scheitern verdammt, weil man kann diesem Genie gar nicht gerecht werden.

01:08:02: Das kann man nicht!

01:08:02: Das schafft man nicht und wird man auch nie schaffen.

01:08:05: Und darum ist diese ganze Beschäftigung ob das nun die Könige sind?

01:08:09: Ich habe Richard II gespielt, Richard III nach Heinrich IV Und aber auch diese ganzen Komikern, Malvolio habe ich gespielt und wir sprachen darüber.

01:08:20: Ich hab ja sogar die Rosa Linde in Wie Es Euch Gefällt gespielt also eine Frauenrolle in Berlin damals.

01:08:26: Das stand übrigens in der Kritik.

01:08:27: das ist die schönste Rosa Linda seit Elisabeth Bergner.

01:08:33: Das

01:08:33: muss man auch erst mal schaffen.

01:08:37: Ich habe wirklich wahnsinnig viel gespielt.

01:08:43: Auf einer Art scheitert man immer.

01:08:44: Man scheiterte wirklich immer, weil noch so viel mehr da einfach ist.

01:08:48: Weil diese Welt so unglaublich groß ist und weil die Welt ja aus dem Nichts entsteht.

01:08:51: Wir stehen ja immer auf der leeren Bühne.

01:08:53: das ist ja eines der Gesetze bei Shakespeare.

01:08:55: Es gibt ja keinen Raum keine Türen es ist immer eine leere Bühnen und aus nichts müssen wir diese Welt erschaffen und das geht auch.

01:09:02: das ist das Faszinierende.

01:09:03: aber sie wird nie zur vollen Befriedigung erreicht Und deswegen habe ich mir geschworen, nie wieder Shakespeare zu spielen.

01:09:10: In zwei Monaten fange ich an den Macbeths zu probieren.

01:09:14: Das wollte ich in zwei Monaten?

01:09:16: Ja!

01:09:18: Also dann doch wieder... Ich hatte die, das gibt ja dabei Wikipedia's gab diese Liste alle ihre Stücke aber da ist es geordnet nach den Theatern wo sie was gespielt haben.

01:09:27: und dann hab' ich das schnell bei JetGBT reingekopiert und hab gesagt, rechnen wir mal aus das Ranking der Autoren Aber vielleicht die ältert sich.

01:09:37: Aber sechzehnmal Scheksbier, fünfmal Kleist, viermal Tschechehoff und dreimal Schnitzler.

01:09:45: Nicht

01:09:45: schlecht!

01:09:48: Dann

01:09:48: kommt auch ganz schnell Beckett?

01:09:50: Das nächste ist Beckett und Nestreu und Grillparzer.

01:09:57: kurz dran versucht.

01:09:59: Ja,

01:10:00: aber

01:10:00: das Schicksal ist schon das Universum für den Schauspieler.

01:10:02: Das ist wie

01:10:03: gesagt ein Quälen des Universums auch.

01:10:13: Man glaubt das immer nicht auch bei mir.

01:10:15: Man will ja schon irgendwas vollenden oder man will es wirklich so gut wie möglich machen!

01:10:20: Für einen selber, aber auch für die da unten und für alle.

01:10:23: Und man ist bei Shakespeare zum Scheitern verurteilt weil es so fantastisch ist wie das Richard der Dritte.

01:10:30: Das ist so ein unglaubliches Stück und das ist auch jedem zu empfehlen sich Nikky Ofschreck hier am Akademietheater anzugucken.

01:10:37: Aber trotzdem ist da sogar noch mehr drin als der Nikky da schafft.

01:10:43: Darum bin ich mit ihm im Austausch mit anderen Kollegen.

01:10:47: Es lässt einem immer auf eine Art unbefriedigt zurück Und darum ist das auch teufelig.

01:10:57: Ich weiß nicht, wie man es sagen soll...

01:10:59: Den Neckis machen Sie in der Akademie oder auf der Burg?

01:11:02: In der Burg!

01:11:04: Auf der Burgbühne.

01:11:06: Die sind sie lieber im Akademietheater, in diesem Wunderschönsaal?

01:11:11: Oder lieber auf der Bergbühner?

01:11:12: Viel

01:11:13: lieber im akademietheater.

01:11:14: Alle Schauspieler übrigens Ich kenne keinen Schauspiel am Burgtheater, der nicht lieber im Akademietheater spielt.

01:11:21: Und auch jeder Regisseur und überhaupt alle

01:11:26: eigentlich.

01:11:26: Auch die Zuschauer!

01:11:28: Nein das weiß ich nicht.

01:11:29: aber das können Sie das nächste Mal ins Burgtheaters gehen können.

01:11:33: sie haben dann achtzig Euro dafür bezahlt für Leute die dort nicht sein wollen.

01:11:39: Weil es halt ein ganz schwerer Raum ist.

01:11:42: Es ist durch diese imposante Größe Und es ist auch von der Konzentration schwierig, das ist mich blöd gebaut.

01:11:48: Also ein Drittel des Publikums ist ja von der Blickrichtung nicht zur Bühne, sondern die können sich selber beobachten und das tun die Zuschauer auch.

01:11:56: Ja also die gucken gar nicht nach vorne, sondern sie gucken die ganze Zeit.

01:11:59: wie reagiert denn der dahinten?

01:12:01: Und allein das nimmt schon so viel Konzentation.

01:12:03: dann sitzen da ganz oben Noch mal zweihundert Menschen, zweihundert Personen sitzen so weit oben, dass man wirklich selbst mit dem Feldstecher uns kaum sehen kann und man wirklich nur meinen hier oben schon dünnes Haar sieht.

01:12:18: Und nicht viel mehr!

01:12:20: Meine Tochter... Er musste neulich in diese wunderbare von Niedstrunk, diesen Zweig.

01:12:26: Ach so?

01:12:27: Nicht Boliva sondern die Schachnovelle

01:12:30: gehen und ich meine geht dahin.

01:12:32: das ist so toll und das ist wunderbar.

01:12:34: dann wurden dieser entzückenden Kinder, die eh Schwierigkeiten haben sich zu konzentrieren mit ihren Handys und so saßen in der letzten Reihe im Oberrang.

01:12:44: Und dann kann man keine Jugendlichen fürs Theater gewinnen wenn man die da oben hinsetzt.

01:12:48: also ich bin eindeutig dafür nicht das Burgtheater zu schließen aber diesen oberen Rang das sollte man irgendwie einen Kunstwerk hinstellen oder irgendwas.

01:12:55: aber keine Zuschauer mehr.

01:12:57: und es ist ein wirklich schwieriges Haus von der Größe auch akustisch.

01:13:03: Wir sprechen einen Leute an aus der neunhundertsten Reihe und sagen, ich habe jedes Wort verstanden.

01:13:08: Und jemand anderes aus der siebten Reihe behauptet dann er hat nichts verstanden.

01:13:11: also es ist akustisch auch ganz kompliziert.

01:13:13: Ja es gibt akustische Löcher das sind.

01:13:15: Also manche Plätze sind gut, manche weniger gut.

01:13:21: Also lieber Akademie Theater naja Sie sind ja jetzt in die Spielzeit gestartet eine Produktion hatte Im Akademietheater.

01:13:31: Ich empfehle es sehr, ich ...

01:13:34: Ja, das ist unterhaltsam!

01:13:36: Das wird auch bestimmt immer noch unterhalzamer.

01:13:38: Es ist ein bisschen lang und wir haben ja Schwierigkeiten uns alle so lange zu konzentrieren.

01:13:44: Da können gar nichts dafür.

01:13:45: Das liegt wirklich an diesen Geräten und an der Zeit.

01:13:48: aber es sind drei Stunden muss man durchhalten.

01:13:51: Aber wir bemühen uns, wir werden schon schneller und wir werden auch unterhalsamer.

01:13:55: Und es gibt eine wunderbare Sprache?

01:13:57: Ja, wir sprechen auf Mittelhochdeutsch.

01:14:00: Aber den Fiktives oder zum Teil?

01:14:01: Oder ist

01:14:02: es unser Mittelhoche?

01:14:05: Das wollte ich fragen!

01:14:06: Bei den Proben entstanden...

01:14:09: Der Regisseur meinte irgendwann, das spielt ja zu einer Zeit wo die Leute Mittelhochteutsch gesprochen haben.

01:14:16: Vielleicht spielen wir auch mal die ein- oder andere Szene Mittelhoechdeutschen.

01:14:19: und dann haben wir gesagt wie machen wir das denn?

01:14:21: Da hat er gesagt ganz einfach, guck mal hier den Text, das gebe ich jetzt ein bei ChatGPTierer, wie das heißt Und der übersetzt uns das.

01:14:28: Da wurde es innerhalb von einer Sekunde übersetzt, ins Mittelhochdeutsche wirklich also richtig übersetzt.

01:14:34: und dann haben wir das gelesen und da dachten wir alle... Das ist ja irre man versteht ja fast alles.

01:14:40: Es hört sich ein bisschen schwedisch an und ein bisschen auch wie Schweizer-Dütsch oder ein bisschen weiß ich nicht was?

01:14:45: Dann haben wir gesagt komm dann machen wir das ganze Stück so!

01:14:48: Man versteht hier alles.

01:14:49: und dann noch ein bisschen um den Zuschauer einfacher zu machen modern eingedeutscht, nicht also...

01:14:56: Aber der Effekt ist verblüffend gut.

01:15:00: Es ist kommentiantisch als König Arthus die ründe Tafel oder

01:15:05: Tafeln?

01:15:06: Die Runde-Tafel,

01:15:08: die Tafellrunde... Hoppe!

01:15:12: Hoppe ist

01:15:12: Hoffnung.

01:15:14: Man kann das...

01:15:16: Zum Teil erklären wir auch dem Publikum was bedeutet.

01:15:19: Das wird ja auch erklärt aber es ist... Der Publikums

01:15:20: muss bei dem Abend mitmachen nicht unangenehm, also es muss keiner auf die Bühne oder muss sich auch nicht äußern.

01:15:28: Aber das Publikum ist eingeladen mit zu machen und das macht das Publikum.

01:15:32: Wir haben's jetzt erst zweimal gespielt aber die machen das alle sehr nett mit und ich fange im Publikums an!

01:15:40: Also ich sitze in der siebten Reihe auf Platz drei und zwanzig bei der zweiten Vorstellung und nehm mir so eine Frau und guck sie an und sie guckt mich an... Er

01:15:49: kriegt

01:15:50: mich drauf, hat einen Schreck bekommen.

01:15:52: Was ist denn?

01:15:54: Ich bin im falschen Stück!

01:15:55: Wieso denn?

01:15:56: Ja ich dachte heute spielen wir... Sie spielen doch

01:16:00: heute?!

01:16:01: Ich erwarten sie ab und stehe nicht.

01:16:02: Und sie dachten, ich schaue zu.

01:16:07: Oh ja.

01:16:09: Sollte ihre Tümer ganz geben.

01:16:13: Also dann freuen Sie sich am meisten in dieser Spielzeit auf den Macbess oder...?

01:16:19: Ich freu mich, das ist ja auch wieder ein Geschenk zum vierzigjährigen Jubiläum.

01:16:27: Ein tolles Geschenck.

01:16:28: aber ich habe furchtbare Angst.

01:16:29: und bei diesem Stück sagt man es gibt einen Aberglauben.

01:16:35: Es gibt ja mehrere Aberglauben die wir Schauspieler haben.

01:16:37: Man darf ja im Theater nicht pfeifen.

01:16:40: Das ist der Ursprung glaube ich weil früher war das der Gaslampen.

01:16:45: Und wenn es gepfiffen hatte, waren Feueralarm oder so.

01:16:48: Deswegen durften wir im Theater ...

01:16:50: Dann war die Flamme aus und das Gas strömte.

01:16:53: Das hat man gehört.

01:16:54: dann?

01:16:54: Ja.

01:16:56: Man darf nicht mit Kopfbedeckung über die Bühne gehen privat also nur in der Rolle Und wir spuckten uns über die Schulter und wegen Malvolio darf man keine gelben Strümpfe tragen.

01:17:08: Es gibt lauter so Gesetze, und das Stück Macbess, den Titel dürfen wir nicht in den Mund nehmen, sondern wir dürfen nur sagen Das schottische Stück.

01:17:15: Weil das Stück fast immer ein Misserfolg wird und deswegen sagt keiner mehr im Theater, können Sie nachlesen?

01:17:22: Also man sagt nicht Macbass, sondern man sagt ... Das

01:17:26: schöttische Stück.

01:17:29: Ich hab eigentlich fast debitiert mein ... Ich habe am Taliertheater schon mal als Statist in dem Stück gespielt.

01:17:37: Und zwar da gibt es, wenn ich am Ende den schottischen Wald, der tritt auf und dann bin ich als sechzehnjähriger mit so einem Zweig, bin ich auf der Talierteater-Bühne rumgelaufen.

01:17:45: also ich kenne das Stück und hab auch schon... Hab es schon mal gespielt!

01:17:54: Sehr schön!

01:17:56: Aber das wird bestimmt spannend.

01:18:02: Ja wir sind auf jeden Fall Wir sind sehr gespannt, wir freuen uns sehr darauf.

01:18:08: Das ist toll!

01:18:09: Es ist auch ein fantastisches Stück, ein unheimliches Stück und Maria Habels spielt mit.

01:18:14: Sie spielt die Oberhexe.

01:18:16: Ah, dann kann mir schon gar nichts passieren wenn die dabei ist?

01:18:21: Da würde sie sich freuen.

01:18:22: Sie war ja hier unser Gast und wir haben natürlich auch geredet über Frauen am Theater und Rollen und sie hat gesagt, sie werden uns nicht glauben bei Macbys... Beim Hamlet traf ich, es ging um das unterschiedliche Alten von Schauspielern und sie sagt ... Und dann wurde ich beim Hamlet besetzt mit meinem Freund Michael Mertens.

01:18:45: Sie trennen ein Jahr voneinander vom Alter.

01:18:48: Aber sie ist jünger, glaube ich oder sie älter?

01:18:51: Sie ist ein Jahr jüngerer!

01:18:53: Und sie spielt ihre Mutter im Hamlet.

01:18:57: Dann hat sich gedacht, oh krass was jetzt

01:18:59: passiert?!

01:19:00: Und sie ist auch gerade Mutter geworden.

01:19:02: Damals.

01:19:03: Damals, aber dass sie sagt okay jetzt bin ich mit einmal die Mutter von Michael Mertens.

01:19:09: Das ist

01:19:09: absurd!

01:19:10: Aber so was geht halt im Theater und sie war sogar eine glaubwürdige Mutter.

01:19:13: also nicht optisch aber sie war sehr gut.

01:19:19: das ist ja eine fantastische Rolle die Gerd Rote in Hamlet.

01:19:23: und hat sie meine Mutter gespielt die war schon alles.

01:19:27: Es nützt ja niemandem was, aber es ist so ein Geschenk mit Frau Happel auf der Bühne zu stehen.

01:19:34: Die nimmt einem alle Ängste und das ist eine fantastische Schauspielerin wirklich ganz toll!

01:19:42: Und als Mutter war sie auch wunderbar.

01:19:45: Das ist toll.

01:19:46: vielleicht noch zuletzt ... Wir haben ja drüber gesprochen oder haben selber gesagt wir haben zwei Kinder während die Schauspiller?

01:19:54: Ich glaub nicht, ich glaube wirklich nicht.

01:19:55: Sie interessieren sich überhaupt nicht dafür.

01:20:00: Also in dem Sinne, dass sie vergessen auf, wenn ich Premiere hab ... Ich bin dann immer kurz beleidigt und denke, ob ich was sage?

01:20:07: Nein, bitte sei nicht so eitel!

01:20:09: Das ist in dem Alter wie so... Ich akzeptiere das und eigentlich find' ich's auch ganz schön.

01:20:15: Sie machen wirklich nicht viel Aufhebens darum.

01:20:18: Und ich hab das Gefühl ... Man weiß es ja nie.

01:20:25: Ich hab das Gefühl, der Weg führt da nicht hin.

01:20:27: Ich habe ihn auch gestern Abend gesagt ... Morgen bin ich bei so einem Podcast.

01:20:33: Ich wusste gar nicht, dass Zuschauer da sind und ... Und wollt ihr dann nicht mitkommen?

01:20:39: Ich erzähle aus meinem Leben und vielleicht auch was von euch.

01:20:42: Nein!

01:20:44: Sollte mich mitkommen.

01:20:46: Egen jetzt zu Hause und ... Weiß nicht gucken, weiß nicht, was sie machen.

01:20:50: Vielleicht lesen Sie ein Buch.

01:20:52: Vielleicht, dass ...

01:20:56: Ich könnte sein, dass sie das nicht tun.

01:21:02: Aber ich hab's ja auf die Bühne geschleppt und zwar schon mehrfach.

01:21:06: Also, ich hab ja ... Ich hab drehen nicht viele Filme, aber es gibt so eine Kinderreihe, Bibi und Tina Und da habe ich sie mit vor die Kamera gezert.

01:21:18: Das finden Sie jetzt auch ganz toll, weil diese Bibi und Tina ist sehr beliebt bei Kindern und Jugendlichen.

01:21:23: Und jetzt können sie mal sagen, dass die da mitgespielt haben... ...und ich habe eben bei diesem berühmten jedermann, den ich einmal gespielt habe, da waren sie auch mit auf der Bühne!

01:21:31: Und das war eigentlich mit die schönste Erfahrung.

01:21:33: Das Ganze war ja zum Teil sehr unglücklich und sehr traurig und mit sehr viel Pech verbunden und immer hat es geregnet und immer mussten wir in diesen blöden Festspielhaus spielen und nie vor dem schönen Dom und ganz schreckliche Sachen.

01:21:46: Aber ich war jeden Abend mit meinen Kindern gemacht auf der Bühne.

01:21:49: Das hat mir wahnsinnig Spaß gebracht und eigentlich fanden sie das auch ganz schick, weil es ja auch imposant so viele Zuschauer waren und das fanden Sie ganz gut.

01:22:00: aber es ging nicht soweit dass sie dann gesagt haben sie wollen das wieder machen.

01:22:06: Naja's war ja leider schnell zu Ende mit Salzburg?

01:22:10: Ja also Salzburg nie.

01:22:12: ich bin auch nächstes Jahr wieder in Salzburg.

01:22:14: Nein aber mit dem jedermann

01:22:15: Ja, mit dem jedermann war es zu Ende.

01:22:17: Das war ... War so.

01:22:23: Es waren

01:22:24: noch seine komischen Seiten gehabt, weil ich ... Es hat sich natürlich keiner getraut mir das zu sagen.

01:22:30: Weil jeder wusste ja, dass... Ich hatte im Vertrag für zwei, eigentlich sogar für drei Jahre und dann rief ich immer an, da war eben schon kurz vor, im Dezember wird immer das Programm verkündet dritter Dezember oder so, und ich rief immer an wann.

01:22:48: Ich musste unbedingt wissen im Sommer Wann wir spielen weil es gibt auch so Anfragen wegen Lesungen und wegen Anderes Und dann wurde ich immer von einem zum anderen wurde ich Immer verbunden ja ich geb dir mal den.

01:22:58: und dann und niemand hat Es mir gesagt und Dann meinte meine freundin schon einmal du ich habe das Gefühl da ist irgendwas Im armen was soll denn da im argen sein so ein quatsch?

01:23:09: Ja ich hab das gefühlt er ist was.

01:23:11: und dann Dann hat sich diese neue Schau, die wurde dann dieser arme neue Schauspieldirektorin.

01:23:18: Und Davidorba?

01:23:19: Ja, Frau Davidorba oder David... ...davidova und die überhaupt nichts damit zu tun hatte, die mich weder besetzt hätte noch wollte sie mich ab.

01:23:26: Die wurde dann so vorgeschoben und die hat dann gesagt leider Es ist so, wie nächstes Jahr kein ... Ein neuer Regisseur, jeder Mann.

01:23:36: Wie ein Neuerregisseur?

01:23:38: Ja und der hat gesagt du bist zu alt und darum brauchen wir auch einen anderen.

01:23:42: Jeder Mann, wie zu alt aber ich hab doch einen Vertrag.

01:23:45: Nein es ist leider so!

01:23:46: Und dann habe ich das so am Telefon erfahren.

01:23:50: Das war absurd.

01:23:54: Es war absurd, weil die haben es wirklich schlecht kommuniziert und viel zu spät.

01:24:00: Das hätte jemand den Mut haben müssen und das wäre auch gar nicht so schlimm gewesen.

01:24:03: Man sagt wir haben uns jetzt entschlossen aus denen und den Gründen und weil wir ein bisschen unglücklich sind mit der Aufführung und auch wegen dem Verkauf und weiß über ... Das hätte man mir alles erklären können.

01:24:12: aber es hat sich keiner getraut und dann war das so ein bisschen umgeschickt.

01:24:18: Es ist so, dass ein... das muss man auch ehrlich sagen.

01:24:21: Man soll ja hier ehrlich sein im Podcast.

01:24:23: Das trifft einen Schauspieler schon sehr, weil man natürlich weiß um die Bedeutung dieser Veranstaltung und das ist schon als eine Ziemliche Niederlage in meiner Biografie.

01:24:33: Eigentlich dachte ich, als ich den Jedermann angeboten bekommen habe ... Da hab ich zur gleichen Zeit ein Filmangebot gehabt von Til Schweiger.

01:24:41: Er ist ein berühmter Schauspieler und Filmemacher in Deutschland.

01:24:44: Und da hatte ich eine Hauptrolle bei Til Schweigherr und den Jedermann.

01:24:48: Innerlich dachte ich nachts im Bett so jetzt hast du es geschafft!

01:24:52: Jetzt kann dir nichts mehr passieren.

01:24:55: Du bist der jedermann und du spielst neben Til Schweiga einer Hauptrolle im Kino.

01:25:00: Der jedermann, den hat man mir weggenommen.

01:25:03: Und der Tils Schweiger Film war der schlecht verkaufteste Film, den es jemals in Deutschland gab!

01:25:09: Weil er parallel in so einem furchtbaren Skandal geraten ist und der hatte, glaube ich, viertausend Zuschauer.

01:25:14: Also ja, unpassbar... Er hat keinen Mensch gesehen.

01:25:18: und so bin ich jetzt hier und fang quasi wieder von vorne an.

01:25:37: So ist das Leben eines Schauspielers.

01:25:41: Auf und ab.

01:25:43: Und wir haben am Ende des Gesprächs, die viele Gäste kennen, ein kleines Ritual

01:25:52: ... Ein Geschenk!

01:25:53: Genau, ein Geschenck aus dem vielfältigen Archiv der Sammlung von über zwei Millionen Exponaten des Theater-Museumes.

01:26:03: Ich habe geguckt was es gibt zu Michael Mertens?

01:26:06: Ein Klimtgemäle gibt das, hab ich

01:26:08: gehört... Es gibt für großes Klimtgemälde, die nur da wäre.

01:26:13: Das dürfen wir nicht verschenken.

01:26:16: Ich

01:26:16: seh schon was ich vorhin vorgemacht habe?

01:26:19: Ja,

01:26:20: ich wusste nicht mit welcher Erinnerung die Rolle verbunden

01:26:26: ist.

01:26:26: Schön!

01:26:27: Ich war ja so verliebt.

01:26:30: Oh... Mag die geht's doch noch mal?

01:26:31: Entschuldigung natürlich.

01:26:34: Jetzt sieht doch toll aus.

01:26:37: Ja, ich finde das ein richtig

01:26:38: tolles... Ich sehe aus wie ein Hamlet.

01:26:41: Ja!

01:26:41: Es ist ein richtig tolles

01:26:43: Hamlet-Rollenporträt

01:26:44: und hier ist noch ein zweites.

01:26:45: Das finde ich auch sehr schön.

01:26:47: Sieht man übrigens?

01:26:49: Da freue ich mich sehr darüber.

01:26:51: Ist das mein Geschenk?

01:26:52: Das

01:26:53: ist für sie.

01:26:54: Und ich habe nämlich auch was und es trifft sich gut.

01:27:00: Wir haben doch da am Burgtheater früher diese wunderschönen Zettel, die immer so in den alten Kästen aushängen.

01:27:06: Und ich hab ... Den Original geben Sie nicht raus?

01:27:12: Nee!

01:27:12: Deswegen musste ich ihn fotokopieren.

01:27:14: Ah!

01:27:14: Ich habe noch überlegt, ob ich mit Feuer am Rand und mit Coca Cola ... So ein bisschen auf Alt mache, das hab' ich aber nicht.

01:27:22: Aber das ist von der Prämie-Jahre.

01:27:24: am achtzenden Dezember um neunzehn Uhr Hamlet Mit meiner Unterschrift.

01:27:32: Dann zeigen wir das doch noch mal, Hamlet und ...

01:27:35: Ja?

01:27:36: Hamlet!

01:27:43: Wir haben uns... Das klingt als hätten wir uns abgesprochen, wir haben uns nicht abgesprochen.

01:27:52: Es ist ein wirklich reines Med-Zufall.

01:27:55: Und es

01:27:56: ist toll.

01:27:56: wenn Sie da in die Besetze reingucken werden alles mitgemacht.

01:27:59: Das ist unglaublich.

01:28:00: also dass kann man wirklich im Museum aushängen.

01:28:03: Und mit einem schönen Autogramm.

01:28:05: Das kommt jetzt zu den Exponaten und wird dann irgendwann einem anderen Schauspieler wieder geschenkt?

01:28:14: Das

01:28:15: überlegen wir uns noch!

01:28:18: Der Hamlet, diese berühmten Besetzungszettel.

01:28:22: Die sehen die immer noch so aus?

01:28:23: Nein,

01:28:23: die sind nicht mehr so hübsch wie damals.

01:28:24: Sie sind jetzt irgendwie moderner.

01:28:26: Jetzt ist das der Leuchtkasten mit... Ja,

01:28:29: es gibt irgendwo auch so aber das ist nicht mehr ... Ich

01:28:31: finde sie ganz toll!

01:28:33: Die werden ja

01:28:33: jeden Abend neu

01:28:36: gemacht und hingegangen.

01:28:37: Das ist wunderschön.

01:28:39: Klaus Maria Brandauer Und mit Ranko Samarovski, Johannes Grisch hast du, haben sie gesagt?

01:28:46: Vor allen Dingen

01:28:48: Den kennt man wahrscheinlich gar nicht, aber ein Wunderschauspieler Walter Schmiedinger.

01:28:52: Ich weiß nicht, ob den noch der eine oder andere kennt ... Ja klar!

01:28:58: Der Begriff Genie ist bei Schauspielern fragwürdig.

01:29:02: Aber auf denen traf das wohl zu?

01:29:05: Und zwar war er so genial, dass er darüber beinahe verrückt geworden ist und sich dann ... Zeit seines Lebens musste der Tabletten bekommen und wurde eingestellt.

01:29:17: Aber mir wurde erzählt von vielen anderen Schauspielern, unter anderem von Klaus Maria Brandauer mit ihm befreundet war.

01:29:22: Dass er ... Der muss so begabt gewesen sein, dass man also da ist man wirklich im Zuschauerraum in Ohnmacht gefallen und der war auch dabei ein wunderbarer Mensch und ganz tolle Leute sind dabei.

01:29:34: Maria Happel vom Minich Meier und alles es.

01:29:37: Peter Matitsch war der erste Totengräber Johannes Zirner.

01:29:40: Das ist ja wirklich Maria Happel.

01:29:42: die Gertroth haben wir gesagt Toll.

01:29:48: Ganz lieben Dank für das ungeschminkte Gespräch, was wirklich toll war.

01:29:54: Vielen Dank!

01:29:55: Sie hörten Ungeschminct Das Theatermuseum

01:30:16: Wien im Gespräch

01:30:19: Folge zwölf Michael Mertens mit Hannes Hametner.

01:30:24: Eine Aufzeichnung des Livegesprächs vom thirteenthen September, zwei-tausend sechsundzwanzig.

01:30:30: Unser nächster Gast im Theatermuseum ist am zwölften Oktober die Schriftstellerin Marlene Strerowitz.

01:30:36: Karten für das Livegesprech können Sie wie immer über das Theatermuseum Wien erwerben!

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